Empfang verloren
Wenn plötzlich Stille ist
Es ist eine ganz normale Nacht in einem Berliner Bezirk. Die Straßen liegen ruhig, in den Fenstern flackern Fernseher, irgendwo fährt die letzte Straßenbahn.
Und dann, von einem Moment auf den anderen, wird es dunkel. Nicht nur in einer Wohnung, sondern überall. Die Laternen gehen aus, die Ampeln erlöschen, die Bahn bleibt stehen. Man greift zum Handy, halb aus Gewohnheit, halb aus dem Gefühl heraus, dass jetzt irgendetwas nicht stimmt. Doch das Display zeigt keinen Empfang mehr. Kein Balken, kein Netz, keine Nachricht kommt raus. Das Festnetz ist tot, weil der Router keinen Strom hat. Und der Anruf bei der 112, den man jetzt vielleicht bräuchte, geht ins Leere.
Genau das ist keine erfundene Schreckensgeschichte. In den letzten Jahren ist es in Berlin mehrfach so oder so ähnlich passiert, und im Ahrtal wurde daraus eine Katastrophe, die viele Menschen das Leben gekostet hat. Wir verlassen uns jeden Tag darauf, dass wir mit einem Griff zum Telefon jeden erreichen können, den wir erreichen wollen. Und wir merken erst, wie zerbrechlich das ist, wenn es auf einmal weg ist. Was macht man dann? Wie ruft man Hilfe, wenn die Wege, die wir alle kennen, nicht mehr funktionieren? Genau hier fängt die Geschichte des Notfunks an.
Grundlage
Was Notfunk überhaupt bedeutet
Notfunk ist im Kern etwas ganz Einfaches. Es ist die Fähigkeit, per Funk in Verbindung zu bleiben, wenn die gewohnten Wege wie Mobilfunk, Festnetz und Internet ausgefallen sind. Kein Mast, keine Vermittlungsstelle, kein Server dazwischen, sondern eine Verbindung, die direkt von Gerät zu Gerät läuft.
Das Besondere daran ist die Unabhängigkeit. Für eine einfache Funkverbindung braucht man erstaunlich wenig. Ein Funkgerät, eine Stromquelle wie einen Akku oder eine Batterie und im einfachsten Fall einen Draht als Antenne. Mehr nicht. Nichts davon ist darauf angewiesen, dass irgendwo im Hintergrund eine große technische Infrastruktur läuft und mit Strom versorgt wird. Und genau das macht Funk so widerstandsfähig. Während unsere moderne Kommunikation wie ein fein gesponnenes Netz ist, das reißt, sobald ein einziger Faden fehlt, funktioniert Funk auch dann noch, wenn ringsum alles steht.
Man unterscheidet dabei grob zwei Welten, die sich wunderbar ergänzen. Auf der einen Seite steht der lizenzfreie Jedermannfunk, den wirklich jeder ohne Prüfung und ohne Anmeldung nutzen darf. Auf der anderen Seite der Amateurfunk, für den man eine Prüfung ablegt und ein eigenes Rufzeichen bekommt, dafür aber sehr viel größere Reichweiten und Möglichkeiten erhält. Beide zusammen bilden das, was im Ernstfall Menschen wieder miteinander verbindet, wenn sonst nichts mehr geht.
Die Schwachstelle
Warum unsere Kommunikation so verletzlich ist
Man könnte meinen, dass moderne Handynetze gerade in einer Krise besonders zuverlässig sein müssten. Das Gegenteil ist der Fall. Es sind zwei Dinge, die in solchen Momenten zusammenkommen und sich gegenseitig verstärken.
Das erste ist die schiere Überlastung. Wenn etwas Schlimmes passiert, greifen alle gleichzeitig zum Telefon. Menschen wollen wissen, ob es den Angehörigen gut geht, wollen Hilfe rufen, wollen einfach eine Stimme hören. Ein Mobilfunknetz ist aber nie dafür gebaut, dass alle in einem Gebiet im selben Augenblick telefonieren. Es ist auf den normalen Alltag ausgelegt, und so brechen die Verbindungen zusammen oder kommen erst gar nicht zustande, obwohl die Technik eigentlich noch läuft.
Das zweite Problem ist grundlegender und wiegt schwerer. Jeder Mobilfunkmast braucht Strom. Fällt der Strom aus, springen an den Standorten kleine Notstrombatterien an, doch die halten meist nur ein bis zwei Stunden durch. Danach verstummt ein Mast nach dem anderen. Genau deshalb warnen Katastrophenschützer immer wieder mit demselben nüchternen Satz. Wenn der Strom großflächig ausfällt, funktionieren Festnetztelefone nicht mehr, und auch das Handynetz bricht nach ein bis zwei Stunden zusammen, weil die Pufferung in den Funkzellen erschöpft ist. Und mit dem Netz fällt auch das weg, worauf im Ernstfall alles ankommt, nämlich der Notruf über die 112 und die 110.
Das ist der Punkt, an dem viele zum ersten Mal begreifen, wie sehr unser ganzes Sicherheitsgefühl an einer einzigen Voraussetzung hängt. Solange Strom da ist, ist Hilfe nur einen Anruf entfernt. Ist er weg, wird aus dieser Selbstverständlichkeit von einem Moment auf den anderen eine offene Frage. Und genau in diese Lücke tritt seit vielen Jahrzehnten der Funk.
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Erprobt im Ernstfall
Wenn der Funk zum Rettungsanker wird
Das Schöne und zugleich Ernste am Notfunk ist, dass er kein theoretisches Gedankenspiel ist. Es gibt ihn wirklich, und er hat schon oft geholfen, wenn es darauf ankam. Ein Blick auf einige dieser Momente zeigt besser als jede Erklärung, warum dieses Thema so wichtig ist.
Die Elbe tritt über die Ufer
Als im Sommer 2002 die Elbe über die Ufer trat, erlebten viele Städte im Osten Deutschlands eine Flut in einem Ausmaß, mit dem niemand gerechnet hatte. In manchen Orten stieg das Wasser so hoch, dass Gegenden überflutet wurden, die man vorher für sicher gehalten hatte. Strom und Telefon fielen aus, es fehlte an Trinkwasser und an Lebensmitteln. In dieser Lage bauten Funkamateure eigene Funknetze auf und hielten die Verbindung aufrecht. Erst dadurch wurde es überhaupt möglich, die vielen Hilfsmaßnahmen sinnvoll zu koordinieren, Kräfte an die richtigen Stellen zu lenken und den Überblick zu behalten. Auch beim erneuten großen Hochwasser 2013 war es wieder so, dass Funkamateure Verbindungen zwischen den Hilfseinrichtungen hielten, als die üblichen Wege an ihre Grenzen kamen.
Die Flutnacht im Ahrtal
Noch eindringlicher, und für viele bis heute schwer zu ertragen, ist die Erinnerung an die Flutkatastrophe im Ahrtal im Juli 2021. In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli riss die Flut nicht nur Häuser, Straßen und Brücken mit sich, sondern auch die gesamte Kommunikationsinfrastruktur. Über einhundert Mobilfunkmasten wurden zerstört oder fielen aus, weil der Strom fehlte. Selbst der Digitalfunk der Behörden, also das eigentlich robuste Netz von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdiensten, versagte stellenweise.
Die Folgen waren bitter. Menschen in höchster Not konnten zum Teil keinen Notruf mehr absetzen. Einsatzkräfte konnten sich untereinander nur noch eingeschränkt abstimmen. Warnungen erreichten die Betroffenen nicht mehr, weil die Wege, über die sie hätten kommen sollen, schlicht nicht mehr existierten. Manche Ortschaften waren tagelang von der Außenwelt abgeschnitten und nur noch zu Fuß erreichbar. In dieser Lage halfen Funkamateure dabei, Lücken zu schließen, Meldungen weiterzugeben und Verbindungen dorthin herzustellen, wo sonst Funkstille herrschte. Das Ahrtal hat auf schmerzhafte Weise gezeigt, dass selbst modernste Technik nichts mehr wert ist, wenn Strom und Infrastruktur wegbrechen, und dass es dann Menschen und Mittel braucht, die genau davon unabhängig sind.
Blackout-Protokoll
Berlin · drei Nächte
Wenn in Berlin die Lichter ausgehen
Man muss für solche Szenarien gar nicht in die Ferne schauen. Berlin selbst hat in den vergangenen Jahren gleich mehrfach erlebt, was es bedeutet, wenn großflächig der Strom wegbleibt. Und jedes Mal wiederholte sich dasselbe Muster. Mit dem Strom verschwanden nach kurzer Zeit auch Handynetz, Festnetz und die Möglichkeit, den Notruf zu wählen. Drei dieser Ereignisse lohnt es sich genauer anzusehen, weil sie zusammen eine Linie ergeben, die nachdenklich macht.
Protokoll 01/0319.–20. Feb. 2019
Köpenick, als ein Baggerbiss reichte
Treptow-Köpenick · Kabelschaden bei Bauarbeiten
Dauer~31 h
Ohne Strom~30.000Haushalte
UrsacheZwei durchtrennte 110-kV-Kabel
Im Februar 2019 durchtrennten Bauarbeiter an der Salvador-Allende-Brücke zwei dicke Hochspannungskabel. Um 14.10 Uhr brach in weiten Teilen von Köpenick der Strom zusammen, und er blieb ganze einunddreißig Stunden weg. Kurz darauf fielen auch Mobilfunk und Festnetz aus, der Notruf war nicht mehr erreichbar. Für viele blieb als einzige Informationsquelle das batteriebetriebene Radio. Die Feuerwehr richtete eigene Notrufannahmestellen ein, an die man sich persönlich wenden musste. Selbst die Alarmierung der freiwilligen Feuerwehren über die üblichen Meldeempfänger war im Gebiet nicht mehr möglich. Auch die Profis stießen an Grenzen.
Kein Netz · Notruf 112 / 110 nicht erreichbar
Protokoll 02/039. Sept. 2025
Johannisthal, als der Ausfall kein Zufall war
Adlershof, Schöneweide u. a. · gezielter Anschlag
Dauer~60 h
Ohne Strom~50.000anfangs betroffen
UrsacheBrandanschlag auf zwei Strommasten
Sechs Jahre später war es kein Versehen mehr. In der Nacht auf den 9. September legten Unbekannte gezielt Feuer an zwei Hochspannungsmasten. Weil gleich beide Leitungssysteme zum Umspannwerk ausfielen, half auch die vorhandene Absicherung nichts. S-Bahnen und Straßenbahnen standen still, Ampeln fielen aus, und es dauerte rund sechzig Stunden bis zur vollen Versorgung. Der Mobilfunk fiel stellenweise aus, in Adlershof brach schlagartig die gesamte Infrastruktur weg. Es gab keine E-Mails mehr, die Handys waren häufig leer, und so verständigte man sich zwei Tage lang über ausgehängte Zettel. Mitten in einem der modernsten Technologieparks des Landes.
Mobilfunk stellenweise ausgefallen
Protokoll 03/033. Jan. 2026
Lichterfelde, als es sich wiederholte
Berliner Südwesten · Kabelbrand am Heizkraftwerk
Dauermehrtägig
Ohne Strom~45.000Haushalte
UrsacheBrand an einer Kabelbrücke
Nur wenige Monate später geschah es erneut. Am frühen Morgen des 3. Januar geriet an einer Kabelbrücke über den Teltowkanal etwas in Brand, fünf Hochspannungs- und zehn Mittelspannungskabel wurden beschädigt. Rund fünfundvierzigtausend Haushalte verloren den Strom, und das Ausmaß galt als größer als beim Ausfall in Adlershof. Und wieder dasselbe Bild. Nach Angaben von Polizei und Feuerwehr war auch das Mobilfunknetz betroffen und der Notruf eingeschränkt. Auch die Fernwärme fiel aus, weil die Pumpen ohne Strom die Wärme nicht mehr bewegen konnten. Der Bezirk öffnete Wärmestuben.
Mobilfunk betroffen · Notruf eingeschränkt
Drei Ursachen, ein Muster. Erst fiel der Strom, dann das Handynetz, dann das Festnetz. Am Ende stand die bittere Erkenntnis, dass man in einer Millionenstadt den Notruf nicht mehr erreichen konnte. Nicht in grauer Vorzeit, sondern dreimal in wenigen Jahren.
Die Frage lautet darum nicht, ob so etwas passiert, sondern wann es das nächste Mal geschieht und ob wir dann vorbereitet sind.
Ehrliche Einordnung
Was Notfunk leisten kann und was nicht
An dieser Stelle ist eine ehrliche Einordnung wichtig, denn Notfunk ist kein Wundermittel, und niemandem ist geholfen, wenn man mehr verspricht, als er halten kann.
Kein Ersatz für
Notfunk ersetzt nicht den regulären Notruf über die 112 und auch nicht den Digitalfunk der Behörden. Solange Strom da ist und die Netze laufen, gilt weiter der bekannte Weg. Im Notfall wählt man die 112 oder die 110, und dabei bleibt es.
Sondern die Rückfallebene
Notfunk springt dort ein, wo sonst nichts mehr geht, und überbrückt die Lücke, bis die reguläre Versorgung wieder steht. Ein Sicherheitsnetz unter dem Hochseil. Im Normalfall braucht man es nicht. Aber wenn der Moment kommt, ist es gut, dass es da ist.
Diese nüchterne Sicht nimmt dem Thema nichts von seiner Bedeutung, im Gegenteil. Gerade weil die großen Ausfälle im Ahrtal und in Berlin gezeigt haben, wie schnell selbst der robuste Behördenfunk an seine Grenzen kommt, wird deutlich, wie wertvoll eine Ebene ist, die von Strom und Infrastruktur unabhängig bleibt. Und das Beste daran ist, dass diese Ebene nicht nur den Profis vorbehalten ist. Denn hier kommt etwas ins Spiel, das wirklich jeder von uns beitragen kann.
Für jedermann
Mach mit
Notfunk kann jeder
Bei all den großen Katastrophen und den organisierten Funkamateuren könnte leicht der Eindruck entstehen, Notfunk sei etwas für Fachleute mit teurer Technik und jahrelanger Ausbildung. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn es gibt einen Weg, auf dem wirklich jeder mitmachen kann, ohne Prüfung, ohne Anmeldung und ohne großes Budget.
Die Rede ist vom sogenannten PMR-Funk. Das sind kleine Handfunkgeräte, wie man sie als Walkie-Talkie kennt, die man für wenige Euro bekommt und die jeder sofort benutzen darf. Es braucht keine Lizenz und keine besondere Erlaubnis. Man schaltet sie ein, wählt einen Kanal und kann mit anderen in der Umgebung sprechen. Vielleicht liegt in dem einen oder anderen Haushalt sogar noch so ein Gerät aus Kinderzimmertagen ungenutzt in einer Schublade. Die Reichweite hängt stark von der Umgebung ab und liegt in der Stadt oft bei einigen Hundert Metern, auf freier Fläche auch deutlich mehr. Das klingt erst einmal nach wenig, ist aber genau das, was in einer Krise zählt. Die eigene Straße, das eigene Viertel, die direkte Nachbarschaft.
Das Vorbild aus dem Kreis Soest
Dass das keine Bastleridee ist, sondern von Behörden ernst genommen und aktiv empfohlen wird, zeigt ein Projekt aus dem Kreis Soest in Nordrhein-Westfalen. Dort haben der Kreis und die Feuerwehren den sogenannten Bürgernotfunk ins Leben gerufen, und die Idee dahinter ist bestechend einfach.
Wenn der Strom großflächig ausfällt und weder Handy noch Festnetz noch der Notruf funktionieren, richten die Behörden Anlaufstellen ein, die man Leuchttürme nennt. Das sind oft Feuerwehrhäuser, die über eine Notstromversorgung und über eigenen Behördenfunk untereinander verbunden sind. Dorthin kann man kommen, um Hilfe zu holen oder Informationen zu bekommen. Damit man diese Leuchttürme aber nicht erst zu Fuß erreichen muss, kommt der Bürgernotfunk ins Spiel.
Kanal 1PMR446 · 446.00625 MHz
So funktioniert es
Sobald ein flächendeckender Stromausfall bekannt wird, schaltet man sein PMR-Gerät auf Kanal 1 und hängt ein gut sichtbares Schild aus. Damit wird man selbst zur Anlaufstelle. Ein Nachbar ohne eigenes Gerät kann nun zu einem kommen und über Funk einen Hilferuf absetzen lassen.
So entsteht Stück für Stück ein Netz aus vielen kleinen Anlaufstellen. Das Schöne daran ist, dass hier auch Menschen mitmachen können, die selbst nicht mehr so mobil sind. Wer krank ist oder eine Einschränkung hat, kann trotzdem eine solche Funkstelle betreiben und im Ernstfall für sich und für andere Hilfe rufen. Der Kreis Soest betreibt sogar eine öffentliche Karte, in die man sich als Funkstelle eintragen kann, und inzwischen haben Städte wie Hennef und weitere Landkreise das Modell übernommen. Es gibt also längst eine wachsende Bewegung von Menschen, die sich auf genau diese Weise für ihre Nachbarschaft bereithalten.
Mein Standpunkt
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In jeden Haushalt gehören zwei betriebsbereite PMR-Funkgeräte. Nicht als teures Hobby, sondern als Vorsorge. So selbstverständlich wie Kerzen, Taschenlampe und ein Vorrat an Wasser.
— DN9MAX
Warum gleich zwei? Weil man zum Funken immer mindestens zwei Geräte braucht, eines zum Senden und eines zum Empfangen. Mit zwei Geräten im Haus ist man sofort innerhalb der Familie verbunden, kann sich mit dem direkten Nachbarn abstimmen oder eines an jemanden weitergeben, der gerade unterwegs ist. Wichtig ist dabei vor allem eines. Man sollte auf Geräte mit wechselbaren Batterien setzen und einen ausreichenden Vorrat an Ersatzbatterien im Haus haben. Denn Geräte mit fest verbautem Akku lassen sich bei einem langen Stromausfall irgendwann nicht mehr laden, und dann nützt das schönste Funkgerät nichts mehr. Wer hier ein wenig vorsorgt, ist im Ernstfall handlungsfähig, während andere im Dunkeln sitzen und nicht wissen, was los ist.
Wie alles ineinandergreift
Vielleicht fragst du dich jetzt, wo bei alldem die Funkamateure bleiben, wenn doch die Nachbarschaft schon mit einfachen Geräten so viel erreichen kann. Die Antwort ist, dass beides zusammengehört und erst im Zusammenspiel seine volle Kraft entfaltet. Stell dir das Ganze wie mehrere Ebenen vor.
01Nahbereich
Die Nachbarschaft mit PMR
Ganz unten, in der Fläche, hält die Nachbarschaft mit den kleinen PMR-Geräten den Nahbereich zusammen. Das funktioniert wunderbar über die eigene Straße und das eigene Viertel, stößt aber dort an seine Grenze, wo größere Entfernungen überbrückt werden müssen.
02Weitverkehr
Die Funkamateure als Brücke
Hier kommen die lizenzierten Funkamateure ins Spiel. Sie nehmen dringende Nachrichten entgegen und tragen sie auf ihren eigenen Frequenzen weiter, im Zweifel über die halbe Stadt bis zu einer Leitstelle. Über Relaisstationen mit eigener Notstromversorgung oder über Kurzwelle reicht das notfalls quer durchs Land oder um die ganze Welt.
So greift eines ins andere. Die Nachbarschaft sorgt dafür, dass niemand allein und abgeschnitten ist, und die Funkamateure bauen die Brücken in die Ferne, dorthin, wo die Hilfe koordiniert wird. Der Jedermannfunk in der Fläche und der Amateurfunk als weitreichende Verbindung. Zusammen ergeben sie ein Sicherheitsnetz, das auch dann noch trägt, wenn alles andere zusammengebrochen ist.
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Zum Schluss
Wenn wir vorbereitet sind
Erinnern wir uns noch einmal an die dunkle Nacht vom Anfang. An die Straße ohne Licht, das Handy ohne Empfang, den Anruf bei der 112, der ins Leere geht. Das Beklemmende an diesem Moment ist nicht allein die Dunkelheit. Es ist das Gefühl, plötzlich abgeschnitten zu sein und nichts tun zu können.
Aber genau das muss nicht so sein. Denn zwischen völliger Hilflosigkeit und ruhiger Handlungsfähigkeit liegt oft nur eine kleine Vorbereitung. Ein Funkgerät in der Schublade, ein Vorrat an Batterien, das Wissen, auf welchen Kanal man im Ernstfall geht. Ein wenig Vorsorge verwandelt den Menschen, der ohnmächtig im Dunkeln sitzt, in jemanden, der für sich und für seine Nachbarn Verbindung halten kann. Und das ist am Ende der eigentliche Kern von Notfunk. Es geht nicht um Technik um ihrer selbst willen, es geht um Menschen, die füreinander da sind, wenn es darauf ankommt.
Sich damit zu beschäftigen ist kein Schwarzmalen und keine Panikmache. Es ist das Gegenteil davon. Es ist die gelassene Haltung von jemandem, der weiß, dass die meisten Tage ganz normal verlaufen, und der trotzdem für den einen Tag gerüstet ist, an dem es anders kommt. So wie man einen Rauchmelder an die Decke schraubt, ohne ständig an Feuer zu denken, kann man auch ein paar Funkgeräte bereithalten, ohne in Sorge zu leben. Man hat sie einfach, falls man sie braucht.
Wenn dieser Beitrag dich neugierig gemacht hat, dann fang klein an. Leg dir zwei einfache Funkgeräte zu, sprich mit deinen Nachbarn darüber, schau, ob es in deiner Region schon ein Bürgernotfunk-Projekt gibt, in das du dich eintragen kannst. Und wenn du Gefallen daran findest und tiefer einsteigen möchtest, dann ist vielleicht sogar der Amateurfunk etwas für dich, mit dem sich noch einmal ganz andere Möglichkeiten eröffnen. Jeder Schritt in diese Richtung macht nicht nur dich selbst sicherer, sondern ein kleines Stück deiner Nachbarschaft gleich mit.
Wenn nichts mehr geht, geht Funk noch immer.
Keine Beschwörung, sondern eine Erfahrung, die sich in jeder großen Krise aufs Neue bestätigt hat. Und das Beste daran ist, dass du selbst ein Teil davon sein kannst. Bleib gesund und bleib in Verbindung.
Vy 73 de
DN9MAX
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