
Notfunk: Wenn alles ausfällt, funken wir weiter!
Strom, Mobilfunk, Glasfaser, Cloud – unser Alltag hängt an einer Infrastruktur, die normalerweise unsichtbar läuft. Erst wenn der Strom weg ist, merkt man, wie brutal abhängig wir davon sind: EC-Terminals tot, Router dunkel, Mobilfunk wackelig oder tot, Notruf überlastet oder gar nicht erreichbar.
Genau das ist in den letzten Jahren mehrfach passiert. Bei der Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 waren ganze Regionen gleichzeitig von Strom- und Netzausfällen betroffen. Festnetz, Mobilfunk und Internet funktionierten in Teilen nur eingeschränkt oder gar nicht, weil Technik zerstört oder ohne Versorgung war. Mobilfunk-Basisstationen verfügen abseits von Bahnhöfen und Flughäfen meist nur über wenig Notstromversorgung – in der Regel nur für wenige Minuten, um die Anlage ordentlich herunterzufahren. Danach ist das Netz nicht mehr erreichbar.
Im September 2025 gab es dann den großen Stresstest für die Hauptstadt: Ein Brandanschlag auf Starkstromleitungen an zwei Strommasten in Berlin-Johannisthal legt große Teile von Treptow-Köpenick lahm. Rund 50.000 Haushalte und Betriebe sitzen fast 60 Stunden im Dunkeln – laut Netzbetreiber der längste Stromausfall der Nachkriegszeit in Berlin.
Die Folgen gehen weit über „kein Licht“ hinaus: Mobilfunk und Internet sind nur eingeschränkt nutzbar, Notrufnummern funktionieren zeitweise nicht zuverlässig, Tramlinien fallen aus, Aufzüge bleiben stehen, Pflegeheime und Krankenhäuser kämpfen mit Notstrom. Stadt und Bezirk müssen Notfall-Anlaufstellen einrichten, an denen Bürger Hilfe holen und Notrufe absetzen können.
Spätestens da wird klar: Es braucht Kommunikationswege, die nicht sofort mitsterben, wenn Strom, Glasfaser und Mobilfunk zusammenbrechen. Und genau hier kommt Notfunk ins Spiel – im Amateurfunkdienst und im sogenannten Bürgernotfunk.
Was Notfunk im Amateurfunk genau bedeutet
„Notfunk“ (oft auch Katastrophenfunk genannt) bezeichnet den Funkbetrieb, mit dem Funkamateure in Not- und Katastrophensituationen Hilfe leisten. Sie setzen dann ihre Funktechnik ein, um Hilfsorganisationen und andere Behörden mit Sicherheitsaufgaben zu unterstützen oder empfangene Notrufe weiterzuleiten.
Der rechtliche Rahmen steht ziemlich klar im Amateurfunkrecht. Das Amateurfunkgesetz in Deutschland definiert den Amateurfunkdienst ausdrücklich so, dass er unter anderem auch zur „Unterstützung von Hilfsaktionen in Not- und Katastrophenfällen“ dient – gleichzeitig wird klar gesagt: Der Amateurfunkdienst ist kein Sicherheitsfunkdienst wie BOS-Funk.
Wichtig sind zwei Dinge:
- Funkamateure funken im Notfall auf Amateurfunkfrequenzen, nicht im Polizeifunk oder im BOS-Digitalfunk.
- Die Amateurfunkverordnung untersagt ausdrücklich den Gebrauch internationaler Not- und Dringlichkeitszeichen des See-, Flug- und Eisenbankfunks GSM-R (bei Seefunk, Flugfunk und seit 2025 auch im Eisenbahnfunk GSM-R grundsätzlich „Mayday, Mayday, Mayday“). Es gibt aber eigene Abläufe und Frequenzempfehlungen für Notfunk im Amateurfunk.
Notfunk ist also: legal, strukturiert, ergänzend – aber kein wildes „Reinfunken“ in fremde Netze.
Warum moderne Netze im Blackout versagen – und Funk durchhält
Mobilfunk fühlt sich gerne unkaputtbar an: vier Balken, LTE oder 5G, alles läuft. In der Realität hängt dieses schöne Gefühl an ein paar sehr empfindlichen Punkten:
- Mobilfunkstandorte haben nur begrenzte Akkupuffer.
- Vermittlungsstellen, Router und Core-Netze brauchen dauerhafte Stromversorgung.
- Überlastung tritt ein, wenn „alle auf einmal“ telefonieren.
Die Flut 2021 im Ahrtal hat genau das gezeigt: Durch zerstörte Infrastruktur und Stromausfälle waren Telefonie, Mobilfunk und Internet in Teilen der Region massiv eingeschränkt. Funkamateure konnten dort zumindest punktuell Kommunikationslücken schließen, indem sie zum Beispiel Meldungen aus Notunterkünften oder abgelegenen Orten weitergaben.
Beim Blackout in Treptow-Köpenick 2025 wiederholt sich dieses Muster im Großstadtszenario: Brandanschlag auf Strommasten, Hochspannungsleitungen beschädigt, über 50.000 Kunden bis zu 60 Stunden ohne Strom, Mobilfunk und Notruf eingeschränkt, massiver Einsatz von Feuerwehr, THW, Polizei und Bezirk, um den Kommunikations- und Informationsbedarf irgendwie aufzufangen.
Funk funktioniert anders. Funkverbindungen können direkt von Station zu Station laufen, mit eigener Stromversorgung aus Akku, Powerhouse, Solar oder Generator betrieben werden und auf Kurzwelle auch Regionen erreichen, in denen sonst nichts mehr geht. Auch analoge FM-Relaisfunkstationen können eine Rolle spielen. Diese oft an exponierten hochgelegenen Standorten betriebenen Stationen ermöglichen Kommunikation – im besten Fall – über 100km und mehr und werden meist durch Notstromaggregate unterstützt. Deshalb ist Amateurfunk in vielen Ländern fest in Zivilschutzkonzepte eingebunden – und genau deshalb beschäftigt sich die Szene in Deutschland seit ein paar Jahren wieder deutlich intensiver mit Notfunk.
Organisierter Notfunk im Amateurfunk: DARC, Notfunkgruppen & Co.
In Deutschland bündelt das Referat Not- und Katastrophenfunk im Deutschen Amateur-Radio-Club (DARC) die Aktivitäten rund um Notfunk. Dort entstehen Leitfäden, Konzepte und Ausbildungsmaterial für Ortsverbände und Funkamateure, die sich am Thema beteiligen wollen.
Im Juni 2022 hat der DARC auf der HAM RADIO das Krisenkonzept „Wir können helfen!“ vorgestellt. Anlass waren unter anderem die Erfahrungen aus der Flut 2021. Kernbotschaft: Funkamateure in Deutschland sollen so aufgestellt sein, dass sie in längeren Kommunikationsausfällen zusätzliche Netze aufbauen können – von klassischen Funkverbindungen über Relais bis hin zu lokal bereitgestellten WLAN-Inseln mit Internetzugang und Lademöglichkeiten.
Daneben nennt Wikipedia zum Thema Notfunk weitere Akteure, die in Deutschland Notfunk im Amateurfunk organisieren, unter anderem:
- das DARC-Referat Not- und Katastrophenfunk,
- Intermar Amateur-Seefunk e. V.,
- Notfunk Deutschland e. V.,
- Arbeitsgemeinschaft Not- und Krisenkommunikation,
- Notfunk Ruhr,
- Notfunk-Team Wuppertal.
Viele dieser Gruppen üben gemeinsam mit THW, DRK oder Landkreisen und entwickeln regionale Konzepte – etwa für Hochwasserlagen, Schneekatastrophen oder Blackout-Szenarien.
Bürgernotfunk: Wenn der Nachbar zum Funkknoten wird
Notfunk ist nicht nur Amateurfunk. Es gibt auch Ansätze, mit Jedermann-Funkdiensten wie PMR446 oder Freenet (149 MHz) einfache Notrufnetze für die Bevölkerung zu schaffen – ohne Lizenzpflicht und mit sehr günstiger Hardware.
Ein sehr konkretes Beispiel ist der Bürgernotfunk im Kreis Soest. Der Kreis und die Feuerwehren unterstützen dort ein Projekt, das Bürgern helfen soll, auch bei flächendeckendem Stromausfall oder ausgefallenem Notruf Hilfe rufen zu können.
Die Idee:
- Feuerwehrhäuser und andere Standorte werden im Blackout als „Leuchttürme“ besetzt, an denen Bürger Hilfe von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei anfordern können.
- Zusätzlich melden sich freiwillige Bürger als Bürgernotfunk-Anlaufstellen.
- Diese halten ein PMR446-Funkgerät bereit, schalten im Krisenfall auf einen festgelegten Kanal (zum Beispiel Kanal 1) und kennzeichnen ihr Haus mit einem Schild.
- Nachbarn ohne Funkgerät können dort Hilfeersuchen oder Notfälle melden; die Anlaufstelle funkt diese Meldungen weiter – entweder an andere Bürgernotfunk-Stationen oder direkt an einen Leuchtturm.
Wichtig: Der Kreis Soest stellt klar, dass Bürgernotfunk nicht in Konkurrenz zu Feuerwehr und Hilfsorganisationen steht. Er soll diese Strukturen ergänzen – als „Zubringer“, wenn Notrufnummern telefonisch nicht erreichbar sind.
Rund um dieses Konzept hat sich die Initiative „Deutschland funkt! – Bürgernotfunk für JEDERMANN“ entwickelt. Sie wurde 2022 ins Leben gerufen, betreibt die Seite deutschland-funkt.de, ein Notfunk-Wiki, Flyer und ein Notfunkforum, in dem sich Notfunk-Gruppen, Funkamateure und Bürgernotfunk-Initiativen austauschen.
Damit entsteht eine zweite Schiene neben dem Amateurfunk: Amateurfunk-Notfunk für komplexere, größere Netze – Bürgernotfunk als sehr einfache, aber breit nutzbare Lösung auf PMR-Basis.
Der Blackout in Treptow-Köpenick: 60 Stunden Realitätstest
Der Stromausfall im Berliner Südosten 2025 ist so etwas wie ein Musterfall, wie verletzlich urbane Infrastruktur ist.
- In der Nacht zum 9. September 2025 werden in Berlin-Johannisthal mehrere Starkstromleitungen an zwei Masten durch einen Brandanschlag beschädigt.
- Rund 50.000 Haushalte und Betriebe in Treptow-Köpenick sind betroffen, teilweise fast 60 Stunden ohne Strom – laut Netzbetreiber der längste Stromausfall der Nachkriegszeit in Berlin.
- Pflegeheime, Schulen, Geschäfte, S-Bahnhöfe und der öffentliche Nahverkehr sind massiv beeinträchtigt, der Straßenbahnverkehr fällt vollständig aus, zeitweise fahren keine S-Bahnen mehr, die Bahnsteigbeleuchtung und Straßenbeleuchtung fällt aus, Aufzüge stehen, Kühlketten sind unterbrochen.
- Mobilfunk und Notrufnummern 110/112 sind zeitweise eingeschränkt erreichbar oder gar vollständig ausgefallen.
Der Bezirk richtet währenddessen mehrere Notfall-Anlaufstellen ein, an denen Menschen Informationen erhalten und Notrufe absetzen können. Feuerwehr, Polizei, Technisches Hilfswerk und Netzbetreiber sind im Dauereinsatz, um Schäden zu begrenzen und eine provisorische Stromversorgung aufzubauen. Mitarbeiter der Deutschen Bahn und der Berliner Verkehrsbetriebe sind angehalten, Notrufe entgegen zu nehmen und per Digitalfunk über die jeweiligen Verkehrsleitstellen an die Behörden weiterzuleiten. m
Genau in so einer Lage wird klar, wie hilfreich ein eingespieltes Netz aus Amateurfunk-Notfunk und Bürgernotfunk sein kann:
- Funkamateure könnten Funkbrücken zwischen Notunterkünften, Krankenhäusern, Pflegeheimen, Notfall-Anlaufstellen und Einsatzleitungen bilden.
- Bürgernotfunk-Anlaufstellen könnten Nachbarschaften direkt mit diesen Knoten verbinden, wenn das Telefon tot ist.
In Berlin war diese Struktur so nicht flächendeckend vorbereitet – aber der Blackout dürfte die Diskussion um Notfunk in Großstädten deutlich befeuert haben.
Notfunk im Amateurfunkdienst: Bänder, Betriebsarten, Netze
Im Amateurfunk gibt es keine spezifische „Notfunkfrequenz“, aber es existieren international empfohlene Aktivitätszentren, die im Ernstfall genutzt werden.
Die IARU empfiehlt für den weltweiten und regionalen Notfunk auf Kurzwelle zum Beispiel:
- 3,760 MHz (80 m) – Region-1-Notfunkzentrum,
- 7,110 MHz (40 m) – Region-1-Notfunkzentrum,
- 14,300 MHz (20 m) – weltweite Notfunkaktivität,
- 18,160 MHz (17 m) – weltweite Notfunkaktivität,
- 21,360 MHz (15 m) – weltweite Notfunkaktivität.
Dazu kommen weitere nationale Empfehlungen, etwa zusätzliche Frequenzen auf 160m, 80m, 40m, 30m, 20m, 10m und 70cm für Deutschland, Österreich und die Schweiz.
Auf Ultrakurzwelle (UKW) werden unter anderem folgende Frequenzen als Anruf- und Notfunkfrequenzen empfohlen:
- 145,500 MHz (2m, FM-Anruffrequenz),
- 433,500 MHz (70cm, FM-Anruf international).
In der Praxis laufen Notfunk-Netze oft so: Eine Net-Control-Station koordiniert das Netz, Stationen melden sich an und erhalten Slots oder eine Reihenfolge, Notfälle und dringende Meldungen haben absolute Priorität, Routineverkehr wird gebündelt. Funkdisziplin ist im Notfunk kein „Nice-to-have“, sondern Pflicht.
Einsatzbeispiele: Von der Nordpolexpedition bis zur Flut
Die Geschichte des Notfunks liest sich stellenweise wie ein Abenteuerroman – ist aber gut dokumentierte Realität.
Ein paar bekannte Beispiele:
- 1928 – Nobile-Nordpolexpedition: Ein russischer Funkamateur fängt mit einem selbstgebauten Empfänger den SOS-Ruf der abgestürzten Italien-Expedition auf einer Eisscholle auf und löst eine internationale Rettungsaktion aus.
- 1953 – Flutkatastrophe Niederlande: Telefone sind tot, große Teile des Landes stehen unter Wasser. Kommunikation im Überschwemmungsgebiet läuft praktisch ausschließlich über den Amateurfunkdienst.
- 1962 – Hamburger Sturmflut: Unterschiedliche Funksysteme der Behörden sind inkompatibel, der BOS-Funk ist schwer koordiniert. Erst mit Feststation und mobilen Amateurfunkstationen wird die Koordination der Hilfe deutlich verbessert.
Dazu kommen neuere Beispiele wie Elbehochwasser, Schneekatastrophen, der Tsunami 2004 oder Hurrikanes, bei denen Amateurfunk und Jedermann-Funksysteme teils die einzigen Kommunikationswege in betroffene Regionen ermöglicht hat.
Diese Historie zeigt: Notfunk ist kein „romantisierter 70er-Jahre-Mythos“, sondern ein wiederkehrender Baustein in der Krisenkommunikation – damals wie heute.
Technik & Setup: Wie Notfunk praktisch aussieht
Technisch dreht sich im Notfunk alles um drei Themen: Strom, Antennen, Funkgeräte.
Stromversorgung:
Notfunker setzen fast immer auf 12-Volt-Systeme. Blei- oder LiFePO₄-Akkus lassen sich über Solarmodule, Netzteile oder kleine Generatoren laden und versorgen Transceiver, Router, Laptops und Beleuchtung. Im DARC-Notfunkkonzept spielt autarke Stromversorgung eine Schlüsselrolle – bis hin zu Ideen wie „Ladeinseln“ für Smartphones der Bevölkerung. Schon ein einfaches Powerhouse (beispielsweise von Anker zu günstigen Preisen erhältlich) sichert den Betrieb eines oder mehrerer Funkgeräte für lange Zeit ab (je nach Kapazität).
Antennen:
Für Kurzwelle sind Drahtantennen beliebt, die flach abstrahlen und so regionale Kommunikation, zum Beispiel innerhalb eines Bundeslands, ermöglichen. Auf UKW kommen Vertikalantennen, kleine Masten oder improvisierte Aufbauten auf Gebäuden zum Einsatz. Gern verwendet ist beispielsweise die Diamond X50N, die auch auf jedem Balkon noch Platz findet und relativ unkompliziert angebracht und angeschlossen werden kann. Notfunkkoffer enthalten häufig schon fest verschaltete Antennenanschlüsse, damit im Ernstfall keine Bastelzeit verloren geht. Im Zweifel reicht aber auch die günstige Gummi-Antenne von Amazon oder AliExpress für das eigene Handfunkgerät, um auf einigen Kilometern in Verbindung zu bleiben.
Funkgeräte und Infrastruktur:
Zum Einsatz kommen portable oder stationäre Kurzwellen-Transceiver für regionale und überregionale Netze, Dualband-Mobilgeräte oder Handfunkgeräte für 2m/70cm im lokalen Bereich. Schon sehr günstige PMR-Funkgeräte (erhältlich ab 20 Euro) sind im Zweifel besser als gar nichts – ein frei konfigurierbaren Amateurfunkgerät (auch bereits ab 30 Euro in einfacheren Varianten erhältlich) wäre aber die bessere Wahl.
Neuere Ansätze kombinieren klassische Funkstrecken mit IP-Technik: WLAN-Hotspots, die per Funk an einen noch funktionierenden Internet-Uplink angebunden sind, oder VoIP-Telefonie über Funk-Backbone – alles mit dem Ziel, im Krisengebiet Inseln zu schaffen, in denen Bürger ihre Handys laden und Nachrichten verschicken können, auch wenn der Rest des Netzes tot ist.
Ein besonderes Feature im Berliner DMR-Netz ist beispielsweise der Relaisverbund aus DB0KK und DB0TU. DB0KK steht in Berlin-Lichtenberg und arbeitet auf 439,5375 MHz / 431,9375 MHz, DB0TU an der TU Berlin in Westberlin und arbeitet auf 439,575 MHz / 431,975 MHz. Beide Relais sind über eine Richtfunkstrecke im 6-cm-Amateurfunkband direkt über HAMNET gekoppelt, sodass der Zeitschlitz 1 beider Stationen direkt miteinander verbunden ist. Die Idee dahinter: Mit diesem rein funkbasierten Link (ohne „Umweg“ über das öffentliche Internet) soll ein großer Teil Berlins und des Umlands DMR-mäßig abgedeckt werden, selbst dann, wenn IP-basierte Netze oder externe Infrastruktur ausfallen.
Zusammenspiel mit Behörden und Hilfsorganisationen
Notfunk entfaltet seinen Nutzen erst, wenn er in die offiziellen Strukturen eingebunden ist – nicht, wenn jeder „auf eigene Faust“ funkt.
Deshalb gibt es Kooperationen und Vereinbarungen:
- Der DARC hat zum Beispiel Vereinbarungen mit THW-Strukturen getroffen, in denen geregelt ist, wie Funkamateure im Katastrophenfall drahtlose Verbindungen bereitstellen können – und wie sie vorher mit Hilfsorganisationen üben.
- Notfunk Deutschland e. V. arbeitet mit Landkreisen und Hilfsorganisationen zusammen, um standardisierte Notfunkkoffer, Relaiskonzepte und Schulungen zu entwickeln.
- Die Interessengemeinschaft Funkamateure in Hilfsorganisationen (IG-FiH) vernetzt Funkamateure, die gleichzeitig in BOS-Organisationen aktiv sind – also Leute, die beide Welten kennen.
Der Bürgernotfunk in Soest zeigt, wie Behörden selbst einfache Funkkonzepte auf PMR-Basis etablieren können, ohne in Amateurfunkbänder zu gehen – klar gerahmt, klar kommuniziert, mit eindeutiger Aufgabe: Notrufweiterleitung, nicht „zweites Einsatzleitsystem“.
Ausbildung, Übungen und Community
Notfunk lebt nicht von Papierkonzepten, sondern von Übung.
Der DARC bietet Seminare, Workshops und Übungstage zum Thema Notfunk an. Ortsverbände richten regelmäßig Notfunkübungen aus, bei denen realistische Szenarien durchgespielt werden – vom Ausfall eines Relais bis zum kompletten Mobilfunkausfall in einer Region.
Notfunk Deutschland, regionale Notfunkgruppen und Bürgernotfunk-Initiativen wie „Deutschland funkt!“ organisieren eigene Übungen, präsentieren Konzepte auf Messen und veröffentlichen Leitfäden – etwa zu PMR-Bürgernetzen, Dorffunk oder Blackout-Vorbereitung.
Das Notfunkforum dient als zentrale Plattform für Termine, Erfahrungsberichte, Technikdiskussionen und lokale Karten mit Anlaufstellen. Dort treffen sich Funkamateure, PMR-/CB-Nutzer, Katastrophenschützer und interessierte Bürger, um gemeinsam an Konzepten zu arbeiten.
Was jeder Einzelne tun kann – pragmatische Vorbereitung
Man muss nicht zum Hardcore-Prepper werden, um im Krisenfall ein kleines Stück besser dazustehen.
Offizielle Stellen empfehlen als Grundvorsorge vor allem:
- Vorräte für mehrere Tage,
- Taschenlampen, Batterien, Kerzen,
- ein batteriebetriebenes UKW-Radio (gern mit Kurzwelle),
- einen Plan, wie man im Haus oder im Kiez in Kontakt bleibt.
Beim Thema Kommunikation bieten sich zwei Stufen an:
- Bürger-Level: ein oder mehrere PMR446-Funkgeräte im Haushalt bereithalten, die im Ernstfall auf einen vorher festgelegten Kanal (in der Regel PMR-Kanal 01) geschaltet werden können – genau in der Art, wie es der Kreis Soest für seinen Bürgernotfunk vorsieht. Wichtig: Geräte vorher testen, Bedienung klären, Batterien oder geladene Powerbanks bevorraten. Zusätzlich gerne die eigene „Station“, also die vorhandenen Geräte, in der Notfunkkarte des Landkreises Soest eintragen. Ursprünglich als regionales Projekt gestartet wird diese interaktive Funk-Karte längst deutschlandweit verwendet.
- Amateurfunk-Level: Amateurfunklizenz machen (zum Beispiel Klasse N, E oder A), einem Ortsverband oder einer Notfunkgruppe beitreten, regelmäßig mitfunken und üben. Dadurch wird man Teil einer organisierten Struktur statt „einsame Funkinsel“.
Mythen, Grenzen und Verantwortung im Notfunk
Zum Abschluss ein bisschen Ehrlichkeit, ohne Drama:
- Notfunk ersetzt nicht mal eben ein komplettes Mobilfunknetz.
- Es gibt schlicht nicht genug Stationen, Menschen und Bandbreite, um „alles wie vorher“ zu machen.
- Notfunk ist immer ein Zusatz: Er schafft gezielt Kommunikationskanäle dort, wo sie besonders gebraucht werden – Leitstellen, Notunterkünfte, Krankenhäuser, Feuerwehrhäuser, Bürger-Anlaufstellen.
Und: Verantwortung ist ein Riesenthema. Illegales „Reinfunken“ auf BOS-Frequenzen ist tabu – rechtlich wie praktisch. Unstrukturiertes Funken auf Amateurfunkfrequenzen hilft niemandem, wenn echte Notmeldungen durchkommen müssen. Funkdisziplin, saubere Informationsweitergabe und die Einbindung in bestehende Strukturen sind das, was Notfunk im Ernstfall wertvoll macht – nicht die größte Endstufe oder die krasseste Antenne.
Wenn Funkamateure, Bürgernotfunk-Netze, Hilfsorganisationen und Behörden ihre Rollen kennen und respektieren, kann Funk im Krisenfall genau das tun, wofür er perfekt geeignet ist: Menschen verbinden, wenn alles andere schon aufgegeben hat.

