Historische Entwicklung der Klasse A
Die Amateurfunk Klasse A ist in Deutschland die „große“ Lizenz: Wer sie besitzt, darf auf allen für den Amateurfunkdienst ausgewiesenen Bändern arbeiten und in der Regel die maximal zulässige Sendeleistung ausschöpfen. Klasse A ist das Ziel vieler Funkamateure, weil sie maximale Freiheit bei Frequenzen, Sendeleistung und Betriebsarten eröffnet – in Deutschland und über CEPT-Regelungen auch im Ausland.
Die heutige Klasse A steht am Ende einer langen Entwicklung des Amateurfunks in Deutschland. In den Jahrzehnten vor 2005 gab es mehrere Lizenzklassen mit unterschiedlichen Bezeichnungen (unter anderem Klasse 1, 2, später A, B, 3, Novice), dazu Übergangs- und Bestandsschutzregelungen.
Mit der Amateurfunkverordnung (AFuV) in der Fassung von 2005 wurde das System zunächst auf zwei Klassen reduziert:
- Klasse A – die „volle“ Lizenz mit allen Bändern und maximaler Leistung
- Klasse E – die Einsteigerlizenz mit eingeschränkten Bändern und geringerer Leistung
Zum 24.06.2024 kam durch die geänderte AFuV eine dritte Stufe dazu:
- Klasse N – Entry-Class mit stark reduzierter Leistung und nur drei Bändern (10 m, 2 m, 70 cm), als sehr niederschwelliger Einstieg
Die Klasse A blieb dabei die höchste Stufe. Inhaltlich wurde sie modernisiert, unter anderem mit neuen Regelungen für Mikrowellenbänder, Anpassungen an internationale Vorgaben und präziser formulierten Nutzungsbestimmungen (zum Beispiel für automatische Stationen, ERP/EIRP, Satellitenbetrieb).
Rolle der Klasse A im neuen Drei-Klassen-System
Im heutigen System gilt grob:
- Klasse N: Einstieg mit wenig Leistung und wenigen Bändern
- Klasse E: erweiterte Einsteigerlizenz mit bewährtem Funktionsumfang
- Klasse A: volle Rechte auf praktisch allen Amateurfunkbändern sowie in der Regel maximale bzw. höchste Sendeleistungen
Wer Klasse A hat, darf im Rahmen der AFuV auf allen in Anlage 1 aufgeführten Amateurfunkbändern senden – von 135,7 kHz bis in den Terahertz-Bereich. Die zulässige Leistung beträgt in weiten Teilen des Spektrums bis zu 750 W PEP (Spitzenleistung am Senderausgang), in einigen Bereichen (zum Beispiel 30 m, 60 m, bestimmte Mikrowellen-Teilstücke) gelten reduzierte Limits.
PEP, ERP und EIRP – kurz erklärt
Da im Zusammenhang mit der Klasse A oft von PEP, ERP und EIRP die Rede ist, lohnt ein kurzer Blick auf die Begriffe:
- PEP (Peak Envelope Power): Spitzenleistung am Senderausgang bei maximaler Hüllkurve, gemessen an einem reellen Abschluss (zum Beispiel 50-Ohm-Dummyload).
- ERP (Effective Radiated Power): „effektive“ abgestrahlte Leistung bezogen auf einen Halbwellendipol. Man nimmt die Senderausgangsleistung, zieht Verluste (Kabel, Steckverbindungen) ab und multipliziert mit dem Antennengewinn in dBd.
- EIRP (Equivalent Isotropically Radiated Power): abgestrahlte Leistung bezogen auf einen isotropen Strahler (theoretische Kugelantenne). EIRP liegt um 2,15 dB höher als ERP (gleiche reale Antenne → EIRP ≈ 1,64 × ERP).
Ein Beispiel:
- Sender: 100 W PEP
- Antenne: 3 dBd Gewinn (entspricht ca. 5,15 dBi)
- Verluste vernachlässigt:
- ERP ≈ 200 W
- EIRP ≈ 330 W
Die AFuV arbeitet im Kurzwellen- und UKW-Bereich überwiegend mit PEP-Grenzen, für einige Sonderbänder (zum Beispiel 60 m) und Teilbereiche auf höheren Frequenzen werden Limits als ERP oder EIRP angegeben.
Frequenzbereiche und Leistungen – was Klasse A konkret darf
Im Folgenden eine zusammengefasste, textliche Übersicht über die wichtigsten Bänder und Leistungen der Klasse A (Stand AFuV mit Änderungen 24.06.2024, ergänzt um aktuelle Verfügungen der Bundesnetzagentur):
Lang- und Mittelwelle / Unter-Kurzwelle
- 2200-m-Band (135,7–137,8 kHz)
Klasse A: max. 1 W ERP, sekundärer Status, strenge Störungsauflagen. - 630-m-Band (472–479 kHz)
Klasse A: max. 1 W ERP, ebenfalls sekundär.
160-m-Band (1,8–2,0 MHz)
- 1,810–1,850 MHz: Klasse A bis 750 W PEP
- 1,850–1,890 MHz: Klasse A (und E) bis 75 W PEP
- 1,890–2,000 MHz: Klasse A (und E) bis 10 W PEP
Dazu kommen zusätzliche Nutzungsbestimmungen (zum Beispiel Wochenend-Regelungen, Schutz anderer Dienste, Bandplanempfehlungen).
80-m-Band (3,5–3,8 MHz)
- Klasse A: bis 750 W PEP
- Klasse E: bis 100 W PEP
80 m ist ein klassisches Binnenband für Nah- und Mittelstreckenverbindungen, vor allem in den Abend- und Nachtstunden.
60-m-Band (5,3515–5,3665 MHz)
- Nur für Klasse A zugelassen
- Limit: 15 W EIRP (entspricht rund 9,1 W ERP)
- Sekundärer Status, streng reglementiert, oft mit zusätzlichen Bestimmungen in der Anlage 1
40-m-Band (7,0–7,2 MHz)
- Klasse A: auf dem gesamten Bereich 7,0–7,2 MHz bis 750 W PEP
40 m ist ein internationales DX-Band mit hoher Aktivität, vor allem in den Übergangszeiten (Graulinie).
30-m-Band (10,1–10,15 MHz)
- Nur Klasse A
- Maximal 150 W PEP
- Kein Contestbetrieb, schmalbandige Betriebsarten bevorzugt (CW, Digimodes)
20-m-, 17-m-, 15-m-, 12-m-Band
- 20 m (14,0–14,35 MHz): Klasse A bis 750 W PEP
- 17 m (18,068–18,168 MHz): Klasse A bis 750 W PEP
- 15 m (21,0–21,45 MHz):
- Klasse A: 750 W PEP
- Klasse E: 100 W PEP
- 12 m (24,89–24,99 MHz): Klasse A bis 750 W PEP
Diese Bänder sind die klassischen weltweiten DX-Arbeitstiere, stark abhängig vom Sonnenfleckenzyklus.
10-m-Band (28–29,7 MHz)
- Klasse N: max. 10 W ERP
- Klasse E: max. 100 W PEP
- Klasse A: max. 750 W PEP
10 m ist Brückenglied zwischen Kurzwelle und UKW: In Sonnenfleckenmaxima weltweit offen, sonst oft nur für Bodenwelle oder Sporadic-E nutzbar.
50 MHz / 6-m-Band – magisches Band
Das 6-m-Band (50–52 MHz) ist in Deutschland besonders geregelt. Aktueller Stand:
- 50,0–50,4 MHz:
- Klasse A: bis 750 W PEP, horizontale Polarisation
- Klasse E: befristet (über Verfügung), bis 100 W PEP, horizontale Polarisation
- 50,4–52 MHz:
- Klasse A und E: jeweils bis 25 W PEP, horizontale Polarisation
Die Nutzung für Klasse E erfolgt derzeit auf Grundlage befristeter Verfügungen der Bundesnetzagentur. Klasse A hat im 6-m-Band die maximalen Rechte und kann das gesamte zugewiesene Spektrum nutzen, solange die jeweils gültigen Amtsblatt-Verfügungen beachtet werden.
4-m-Band (70 MHz)
Das 4-m-Band (70,150–70,210 MHz) ist in Deutschland weiterhin nur eingeschränkt nutzbar:
- Nur für Klasse A
- Frequenzbereich: 70,150–70,210 MHz
- Maximal 25 W ERP, in der Regel vorgeschrieben: horizontale Polarisation
- Nutzung basiert auf einer befristeten Duldungsregelung der Bundesnetzagentur
Klasse A hat damit exklusiven Zugang zu einem Band, das in vielen europäischen Ländern als „normales“ Amateurfunkband etabliert ist.
2-m-Band (144–146 MHz)
Eines der wichtigsten VHF-Bänder, stark genutzt für Relais, Direktverbindungen, APRS und Satelliten:
- Klasse N: max. 10 W EIRP (entspricht ca. 6,1 W ERP)
- Klasse E: max. 75 W PEP
- Klasse A: max. 750 W PEP
Über 2 m laufen unzählige lokale und regionale Netze, Simplex-Runden, Relaisverbindungen und manchmal auch Weitverkehr über Tropo, Sporadic-E oder via Satellit.
70-cm-Band (430–440 MHz)
Noch dichter belegt als 2 m und stark relaislastig:
- Klasse N: max. 10 W EIRP
- Klasse E: max. 75 W PEP
- Klasse A: max. 750 W PEP
70 cm wird intensiv für Relais, Hotspots, Digitalfunk (DMR, C4FM, D-Star), HAMNET-Zugänge und diverse Experimente verwendet.
23-cm-Band (1240–1300 MHz)
Mit der AFuV-Reform 2024 gewann auch Klasse E Zugang zum 23-cm-Band, allerdings mit reduzierter Leistung:
- Gesamtband 1240–1300 MHz:
- Klasse E: 75 W PEP
- Klasse A: 750 W PEP
- Teilbereich 1247–1263 MHz:
- Abgestrahlte Leistung auf 5 W EIRP begrenzt
- Automatische und fernbediente Stationen sind in diesem Bereich nicht zulässig
Damit ist klar geregelt: Hohe Leistungen sind auf 23 cm grundsätzlich möglich, aber im empfindlichen Galileo-Nachbarbereich deutlich begrenzt.
Mikrowellenbänder – 13 cm bis in den Terahertz-Bereich
Oberhalb von 1 GHz sind die Rechte von Klasse A und E grundsätzlich vergleichbar, unterscheiden sich aber deutlich in der maximalen PEP:
Typische Struktur (vereinfacht):
- 13 cm (2320–2450 MHz)
- Klasse E: 5 W PEP
- Klasse A: 75 W PEP
- Weitere Mikrowellen- und Millimeterbänder (z. B. 3,4 GHz, 5,6 GHz, 10 GHz, 24 GHz, 47 GHz, 76–81 GHz, 122–123 GHz, 134–141 GHz, 241–248/248–250 GHz):
- Klasse E: jeweils 5 W PEP
- Klasse A: jeweils 75 W PEP
Dazu kommen weitere Millimeter- und Submillimeterbänder. Klasse A darf hier mit bis zu 75 W PEP arbeiten, sofern der Frequenzbereich für den Amateurfunkdienst ausgewiesen ist und die Anlage 1 keine strengeren Limits (z. B. EIRP-Deckel) vorsieht.
Oberhalb von 275 GHz sind zusätzlich experimentelle Nutzungen möglich; hier sind die Details in Amtsblattverfügungen und der AFuV geregelt.
Automatische und fernbediente Stationen – jetzt 50 W ERP
Ein wichtiger Punkt, der viele Betreiber von Relais, Gateways und Baken betrifft, sind die Leistungsgrenzen für automatische und fernbediente Amateurfunkstellen.
Aktueller Stand nach der geänderten AFuV:
- Fernbediente und automatisch arbeitende terrestrische Amateurfunkstellen
- Dürfen nur auf den Frequenzen betrieben werden, die in der Rufzeichenzuteilung genannt sind.
- Oberhalb von 30 MHz beträgt die maximal zulässige Strahlungsleistung 50 W ERP (Remote-Betrieb im Sinne von „klassischem Operator an der entfernten Station“ ist hiervon gesondert geregelt).
- Für Linkstrecken können in bestimmten Bereichen oberhalb von 1 GHz in begründeten Fällen bis zu 1000 W ERP beantragt werden.
Damit ist klar: Die frühere 15-W-ERP-Grenze ist durch 50 W ERP ersetzt worden. Für Klasse-A-Inhaber bedeutet das praxisnah mehr Luft für Relais und Baken, ohne in die 750-W-Liga gehen zu müssen.
Wichtig: Im Teilbereich 1247–1263 MHz sind automatische und fernbediente Stationen weiterhin komplett ausgeschlossen, unabhängig von der Klasse.
Klasse A im internationalen Kontext (CEPT, HAREC)
Die deutsche Klasse A entspricht inhaltlich der CEPT „HAREC“-Lizenz (Harmonised Amateur Radio Examination Certificate). Das bringt zwei große Vorteile:
- Betrieb im Ausland
In vielen europäischen Ländern und darüber hinaus kann mit der deutschen Klasse A temporär gefunkt werden, oft mit dem eigenen Rufzeichen und einem Landespräfix (z. B. DL/… im Ausland oder dortige Präfixe wie F/, I/, OE/, HB9/ usw., je nach Regelung). - Anerkennung der Prüfung
Wer die Klasse-A-Prüfung bestanden hat, erfüllt die HAREC-Anforderungen. Das erleichtert die Beantragung lokaler Lizenzen in anderen Staaten erheblich.
Für Klasse N gibt es eine solche CEPT-Regelung noch nicht, für Klasse E teilweise (CEPT Novice), aber nicht so flächendeckend wie für Klasse A. Auch deshalb bleibt A die „Reiseklasse“ für ambitionierte Funkamateure.
Weg zur Klasse A und typische Nutzung in der Praxis
Der Weg zur Klasse A führt heute meist über zwei Stufen:
- Klasse N als Einstieg
Erste Erfahrungen auf 10 m, 2 m und 70 cm mit 10 W E(I)RP. - Klasse E oder direkt Klasse A
Wer sich sicher fühlt, kann entweder zunächst auf E erweitern oder direkt die volle A-Prüfung anstreben.
Viele entscheiden sich für einen schrittweisen Weg: Erst N, dann E, schließlich A. Andere lernen durch und steigen gleich mit der Klasse A ein.
In der Praxis nutzen Inhaber der Klasse A ihre erweiterten Rechte typischerweise für:
- DX-Betrieb auf Kurzwelle mit hoher Leistung und richtungsstarken Antennen
- Experimentelle Funkstrecken im VHF/UHF- und Mikrowellenbereich
- Betrieb eigener Relais, Baken oder Gateways
- Satellitenfunk auf 2 m, 70 cm, 23 cm und höher
- Portabel- und Contest-Betrieb, bei dem die Leistungsspielräume und die große Bandbreite an Bändern maximale Flexibilität bringen
Fazit: Klasse A als Werkzeugkasten ohne „angezogene Handbremse“
Die Amateurfunkklasse A ist – nüchtern betrachtet – weniger ein Prestigeobjekt als ein Werkzeugkasten: Sie gibt Zugriff auf alle Bänder, die höchste Sendeleistung und die meisten Betriebsoptionen, die das deutsche Recht hergibt. Wer bereit ist, mehr Technik, Vorschriften und Praxiswissen zu lernen, bekommt im Gegenzug:
- Alle Amateurfunkbänder von 135,7 kHz bis in den Millimeterbereich
- Bis zu 750 W PEP auf vielen wichtigen Bändern
- Besondere Rechte auf 4 m, 60 m und in höheren Frequenzbereichen
- 50 W ERP für automatisch und fernbedient arbeitende Stationen oberhalb 30 MHz
- Internationale Nutzbarkeit dank HAREC / CEPT
Damit ist Klasse A im heutigen Drei-Klassen-System das, was sie immer sein sollte: die Lizenz für alle, die Amateurfunk nicht nur ausprobieren, sondern in allen Facetten ausreizen wollen – technisch, experimentell und weltweit.

