Einordnung: Was das HD2 eigentlich sein will
Das Ailunce HD2 ist Retevis’ aktuelles „Flaggschiff-Handfunkgerät“ im DMR-Bereich: Dualband (VHF/UHF), vom Hersteller als „10 W High Power“ beworben, IP67 dicht, mit Bluetooth, GPS-Option und einer riesigen DMR-Kontaktdatenbank. Offiziell wird es als Weiterentwicklung des HD1 vermarktet: gleiche Grundidee, aber moderner, mit Bluetooth 5.0, deutlich größerem Kontakt-Speicher und USB-C-Ladeoption.
Auf dem Papier zielt das HD2 damit ganz klar auf Funkamateure, die DMR ernsthaft nutzen wollen (Relais, Hotspot, BrandMeister & Co.), die auch mal härtere Umgebungen (Outdoor, BOS-artige Szenarien, Notfunk-Setup) mitmachen und die Bock auf große Kontaktlisten, Bluetooth-Headsets und viele Einstellmöglichkeiten über die CPS haben.
Die Kehrseite: Das Gerät ist komplex, die Dokumentation an manchen Stellen dünn, und die Community hat durchaus ein paar Kritikpunkte, vor allem bei Firmware, CPS und spektraler Sauberkeit.
Technische Daten und Aufbau – was steckt im HD2?
Hardwareseitig bringt das HD2 ziemlich viel mit:
- Betriebsarten: Analog FM und DMR Tier II
- Bänder (EU-Version):
– VHF: 144–146 MHz Senden, Empfang 136–174 MHz
– UHF: 430–440 MHz Senden, Empfang ca. 400–520 MHz - Ausgangsleistung:
Retevis bewirbt das HD2 mit „bis zu 10 W“. In den offiziellen technischen Daten finden sich aber vier definierte Leistungsstufen: Extra 0,5 W, Low 1 W, Mid 4 W und High 5 W. In Community-Messungen landen viele Geräte im High-Modus je nach Band eher grob im Bereich von 5–7 W – also deutlich kräftig für ein Handfunkgerät, aber nicht das, was man sich unter „echten“ 10 W Dauerleistung vorstellt. Dabei fällt auf, dass die 10 Watt eher im 70cm-Band als im 2m-Band zuverlässiger erreicht werden. Die neue 0,5 Watt Funktion ist vor allem für vorübergehende Nutzung von PMR- oder Freenet Frequenzen in berechtigen Notfällen gut geeignet. - Speicher:
– 3.000 Kanäle
– bis zu 500.000 DMR-Kontakte
– bis zu 5.000 Prioritätskontakte (je nach Firmware; ältere Angaben nennen noch rund 1.000, neuere explizit 5.000) - Akku: ca. 3.200 mAh, Laden über Tischlader oder USB-C
- Schutzklasse: IP67 (staubdicht, zeitweises Untertauchen)
- Schnittstellen: USB-C zum Laden, separates Programmierkabel für CPS, integriertes Bluetooth 5.0, häufig inkl. BT-Headset im Lieferumfang
- Display: 1,77″ Farb-LCD, konfigurierbare Helligkeit, Tag-/Nachtmodus, einstellbare Beleuchtungszeiten
- DMR-Features: Gruppen-, Einzel- und Allruf, Textnachrichten, Verschlüsselung (inkl. AES-256), GPS-Übertragung, DMR-„APRS“-Funktionalität über das DMR-Netz
Preisniveau – was kostet das HD2 realistisch?
Beim Preis liegt das HD2 im gehobenen, aber nicht völlig abgehobenen Bereich. Direkt bei europäischen Retevis-Händlern liegt der Preis je nach Bundle und Aktion meist irgendwo zwischen etwa 130 € und 270 € – häufige Aktionspreise um 129–159 € für das Funkgerät, teilweise inklusive Bluetooth-Headset.
Bei großen Plattformen wie Amazon pendelt sich der Straßenpreis für das Ailunce HD2 mit GPS und Bluetooth erfahrungsgemäß grob im Bereich um 180–200 € ein, abhängig von Händler, Lieferumfang und Tagesangeboten.
Unterm Strich kann man Stand Ende 2025 sagen: Praxispreise für das Ailunce HD2 liegen je nach Händler und Aktion ungefähr zwischen 130 € (Angebot) und 200 € (regulär), Bundles vom Hersteller mit Headset können teurer sein.
Display vs. HD1 – der sichtbare Unterschied
Ein klarer Fortschritt gegenüber dem HD1 ist das Display. Beim Vorgänger war das Display zwar funktional, aber recht schlicht, mit eingeschränkten Farb- und Darstellungsoptionen und mittelmäßiger Ablesbarkeit bei Sonnenlicht.
Das HD2 legt hier spürbar nach:
- Farbdisplay mit modernerer Darstellung
- Tag- und Nachtmodus, zwischen denen du umschalten kannst
- Helligkeit und Backlight-Zeiten sind fein justierbar
- Statusinformationen (Band A/B, Betriebsart, Talkgroup, Akku, GPS, Bluetooth, Scanstatus) werden klarer und strukturierter angezeigt
- das Display ist draußen wesentlich besser ablesbar und nachts deutlich angenehmer, weil der Nachtmodus die „Flutlicht-Optik“ im Dunkeln reduziert
Wenn das HD1-Display für dich einer der Schwachpunkte war, fühlt sich das HD2 wie ein kleiner Generationensprung an.
Kontaktspeicher vs. HD1 – das große Upgrade
Beim HD1 war ein häufiger Kritikpunkt der DMR-Kontaktspeicher: maximal rund 200.000 Kontakte und etwa 1.000 Prioritätskontakte – für die weltweite DMR-Userdatenbank inzwischen ziemlich knapp.
Das HD2 adressiert genau diesen Punkt und macht hier einen echten Sprung:
- statt 200.000 jetzt bis zu 500.000 DMR-Kontakte
- statt ca. 1.000 jetzt bis zu 5.000 Prioritätskontakte (je nach Firmwarestand)
Praktisch bedeutet das: Du kannst die komplette weltweite DMR-Userdatenbank einspielen und hast immer noch Luft, um Prioritätskontakte sauber zu pflegen. Das ist einer der deutlichsten funktionalen Unterschiede zum HD1 und sollte im Kopf bleiben, wenn man beide Geräte vergleicht.
Physisch wirkt das HD2 eher „BOS-mäßig“ als Hobbyfunk-Spielzeug: massives Gehäuse, großer Lautsprecher, seitliche Doppel-PTT (Haupt-PTT + Sub-PTT), oben zwei Drehregler (Lautstärke/Power, Kanal), rechts die klassische Zubehörbuchse. Die Haptik liegt klar im oberen Segment: Das HD2 fühlt sich eher nach Profi-Handfunkgerät an als nach billigem Plastik-Spielzeug.
Ich stelle hier meine aktuelle DMR-Kontaktliste kostenfrei zum Download bereit. Die Datei enthält alle mit Stand 23. November 2025 vergebenen Radio-IDs mit zugehörigem Namen, Amateurfunk-Rufzeichen und Herkunft. Diese Infos werden dann im DMR-Betrieb grün hinterlegt im Display des HD2 angezeigt. Die Datei kann grundsätzlich auch im HD1 eingespielt werden, dort werden aber nur die ersten 200.000 Einträge in den Speicher übernommen. Bitte beachten: Der Import findet in der CPS unter dem Menüpunkt Contacts / Address Book Contacts statt. Zunächst per Import Contacts die Datei auswählen und Inhalte importieren, danach rechts davon per Write Contacts die Daten ins Gerät schreiben (dauert locker 25 bis 30 Minuten!). Die Verwendung der Datei geschieht auf eigene Gefahr.
Ein aktueller Gesamtdatenbestand der weltweit vergebenen DMR-IDs kann bei Radio-ID.net als CSV-Datei kostenfrei erworben werden, muss dann aber ins Ailunce-Format konvertiert und umgeschrieben werden. Der direkte Import der Radio-ID.net Datei ist nicht möglich.
DMR Radio-ID (konvertiert ins Ailunce HD1/HD2-Format) mit Stand: 23.11.2025
Erste Einrichtung: Vom Auspacken zum ersten QSO
Out of the box startet das HD2 meistens mit einem recht neutralen Codeplug: ein paar DMR-Zonen (teilweise regional sortiert), ein paar Analogspeicher und Standard-Settings. Für ernsthaften Betrieb kommst du aber nicht drum herum, dein eigenes Setup zu bauen.
Der typische Start:
1. Sprache und Grundsettings
Direkt nach dem Einschalten stellst du Sprache, Uhrzeit, Zeitzone, Display-Helligkeit und Tastensperre ein. Die Menüs sind klassisch hierarchisch aufgebaut, vieles lässt sich am Gerät konfigurieren, aber manche Punkte liegen recht tief in den Untermenüs.
2. DMR-ID und Rufzeichen eintragen
Ohne DMR-ID bist du im Netz ein No-Name. Unter den DMR- bzw. Radio-Einstellungen trägst du ID und Call ein. Das geht am Gerät, deutlich entspannter aber über die CPS.
3. VFO vs. Kanalbetrieb
Das HD2 arbeitet mit Dual-VFO. Du kannst im VFO-Betrieb direkt Frequenzen eintippen oder im Kanalmodus vorbereitete Speicher verwenden. Für DMR solltest du praktisch immer mit sauber angelegten Kanälen (Timeslot, Color Code, Talkgroup) arbeiten – im VFO ist DMR nur sehr eingeschränkt sinnvoll.
4. Zonen und Kanäle aufbauen
Am Gerät kannst du schon Zonen anlegen, Kanäle kopieren und benennen. Für ein, zwei Relais reicht das. Sobald DMR-Netze, Hotspot, mehrere Relais und Simplex-Frequenzen ins Spiel kommen, willst du das über die CPS machen – sonst verlierst du den Überblick.
5. Bluetooth und GPS checken
Bluetooth-Headset koppeln, falls du kabellos funken willst. GPS einschalten, wenn du DMR-„APRS“ oder Positionsdaten nutzen möchtest. Im Hinterkopf behalten: permanent aktives GPS zieht ordentlich Akku.
Die Bedienlogik ist etwas eigenwillig, aber konsequent aufgebaut: Viele Funktionen hängen an den zwei Sidekeys (SK1/SK2), die du über die CPS frei belegen kannst – etwa Monitor, Power-Toggle, VOX, Key-Beep, Encryption-Toggle und andere Komfortfunktionen. Hat man das einmal für sich sortiert, geht vieles ziemlich flott aus der Hand.
Die HD2-CPS – Aufbau und sinnvolle Reihenfolge
Die CPS (Programmiersoftware) ist der Schlüssel, um den vollen Funktionsumfang zu nutzen. Gleichzeitig ist sie einer der Hauptkritikpunkte – sie kann viel, ist aber nur mäßig dokumentiert.
Ein halbwegs stressfreier Workflow sieht so aus:
1. Treiber, Anschluss und CPS installieren
Zuerst installierst du den USB-Treiber für das Programmierkabel. Wichtig:
- Die USB-C-Buchse unten am Funkgerät ist nur zum Laden gedacht, nicht für die Programmierung.
- Für die CPS-Verbindung nutzt du die seitliche Zubehörbuchse hinter der verschraubten Abdeckung.
Treiber, CPS, Firmware Updates und mehr findest du direkt auf der Support-Seite von Ailunce.
Praktisch läuft das Ganze dann so ab:
- Gerät ausschalten.
- Rechts am Gerät die Zubehörabdeckung suchen – meist mit einer kleinen Schraube gesichert.
- Mit einem kleinen Schraubendreher (Kreuz oder Schlitz, je nach Ausführung) die Schraube vorsichtig lösen, die Gummi-/Kunststoffabdeckung zur Seite klappen oder komplett abnehmen.
- Das Programmierkabel in die nun freigelegte Buchse stecken. Der Stecker muss wirklich komplett und bündig sitzen; bei diesen seitlichen Anschlussleisten ist „halb drin“ gleich „keine Verbindung“.
- Kabel am PC einstecken, im Gerätemanager prüfen, welcher COM-Port auftaucht.
Erst danach startest du die HD2-CPS-Software, wählst den passenden COM-Port und schaltest das Funkgerät ganz normal ein (kein DFU- oder Update-Modus, einfach normaler Betriebszustand). So steht die Verbindung für „Read from Radio“ und „Write to Radio“ stabil. Wenn das nicht funktioniert, schalte das Gerät zuerst ein und verbinde danach das Kabel mit deinem PC. Die CPS ist außerdem ausschließlich mit Windows kompatibel.
2. Radio auslesen (Read from Radio)
Goldene Regel: bevor du irgendwas baust, einmal das Gerät auslesen und die Werkskonfiguration speichern. Das ist dein „Notausgang“, falls später etwas schiefgeht oder du nach einem Firmware-Update zurück willst.
3. Allgemeine Einstellungen (General / Radio Settings)
In diesem Block pflegst du:
- DMR-ID und Rufzeichen
- Timeout-Timer, Roger-Beep, Tastentöne
- Display-Einstellungen (Farben, Helligkeit, Timeout, Nachtmodus)
- Tastenbelegung (Sidekeys kurz/lang, Funktion der Sub-PTT)
- Sprache, Region / Bandgrenzen (wobei nicht jede Firmware diese Regionseinstellungen perfekt abbildet)
4. Kontakte und RX-Gruppen
Hier spielt das HD2 den Vorteil gegenüber dem HD1 voll aus: Statt 200.000 kannst du bis zu 500.000 Kontakte importieren – genug, um die komplette weltweite DMR-Datenbank mit Rufzeichen, Namen, Standorten und Ländern zu laden, ohne direkt am Limit zu sein.
DMR-Userdaten importierst du als CSV (z. B. von RadioID.net). Das kann richtig zäh werden – bei mehreren hunderttausend Einträgen schreibt die CPS sehr langsam. RX-Gruppen baust du pro Kanalgruppe, wenn du auf einem Timeslot mehrere Talkgroups gleichzeitig hören willst.
5. Kanäle anlegen (Analog + DMR)
Hier definierst du Frequenz, Schrittweite, Modus, Sendeleistung, CTCSS/DCS (FM), Timeslot, Color Code, Kontakt, RX-Gruppe usw. Viele gliedern das in Kanallisten für:
- lokale DMR-Relais
- den eigenen Hotspot (unterschiedliche TG-Kanäle auf TS2)
- Analog-Relais
- Simplex- und Notfrequenzen
6. Zonen, Scanlisten, DMR-„APRS“-Setup
Zonen sind einfach „Ordner“, die Kanäle enthalten. Lieber mehrere kleine, logisch sortierte Zonen als eine riesige. Scanlisten definieren, welche Kanäle von der Scan-Funktion durchlaufen werden.
Für die Positionsübertragung legst du in der Regel einen speziellen DMR-Datenkanal an (oft auf dem Hotspot-Timeslot), aktivierst GPS im Gerät und passt in der CPS die entsprechenden GPS-/DMR-Optionen an das verwendete Netz (z. B. BrandMeister) an.
Wichtig zur Einordnung:
- Das HD2 unterstützt GPS-Daten über DMR („DMR-APRS“ über das Netz).
- Eine dedizierte, dokumentierte Funktion für klassisches analoges APRS auf 144,800 MHz (AFSK, 1.200 Baud) hat es nach aktuellem Stand nicht.
Wer reines FM-APRS will, hängt meist einen separaten APRS-Tracker dazu oder nutzt ein anderes Gerät mit integriertem APRS-Modem.
7. Schreiben ins Gerät (Write to Radio)
Zum Schluss alle Einstellungen ins Gerät übertragen – und Geduld haben. Je voller die Kontaktliste, desto länger dauert es. Danach am Gerät prüfen, ob Zonen, Kanäle, Talkgroups, GPS und Bluetooth wie geplant funktionieren. Anschließend kannst du das Programmierkabel vom Gerät abziehen und die Zubehörabdeckung wieder anschrauben, damit der Schutzgrad (IP67) erhalten bleibt.
Ein zentraler Kritikpunkt: Es gibt keine wirklich umfassende, offizielle CPS-Dokumentation. Viele Optionen erschließen sich nur über Community-Guides, YouTube-Videos oder Blogartikel. Wer einfach „nur mal schnell“ programmieren will, wirkt leicht genervt – wer gerne tief einsteigt, kommt klar, braucht aber Zeit.
Betriebskonzept im Alltag – Dualband, DMR, Bluetooth
Im täglichen Betrieb spielt das HD2 seine Stärken aus, wenn man sich einmal durch die Lernkurve gearbeitet hat.
Im Dualband-Modus zeigt das Display zwei Ebenen: A- und B-VFO. Typisches Setup: oben dein lokales DMR-Relais, unten der Hotspot oder ein Analog-Relais. Über die Sub-PTT wählst du, auf welchem VFO du sendest. Gerade mit Bluetooth-Headset ist das angenehm, weil du nicht ständig die aktive Zeile umschalten musst.
Im DMR-Betrieb läuft alles wie gewohnt:
- Der Kanal enthält Frequenz, Timeslot, Color Code, Kontakt (Talkgroup oder Einzelruf) und eine RX-Gruppe.
- Zonen bündeln Kanäle – z. B. nach Region („Berlin DMR“), Netz („BrandMeister Hotspot“), oder Einsatzzweck (Relais, Simplex, Notfunk).
- Mit Promiscuous-Funktionen (je nach Einstellung) kannst du alles auf einem Timeslot mithören, unabhängig davon, welche Talkgroup adressiert wird.
Bluetooth funktioniert in der Praxis besser, als man es von vielen Funkgeräten gewohnt ist: Neben dem mitgelieferten Headset lassen sich meist auch Standard-Bluetooth-Kopfhörer koppeln. Die Reichweite bleibt „Handfunk-typisch“ – ideal für „Gerät im Rucksack, Headset am Ohr“, kein Vollersatz für DECT oder Tetra im Gebäude.
Firmware und Updates – Chancen und Risiken
Firmware-Updates bringen beim HD2 echte Verbesserungen: neue Optionen bei der Schrift und den Farben, zusätzliche Leistungsstufen, Bugfixes für SMS, kleinere UI-Glitches, teilweise Optimierungen bei Funktionen wie Scanverhalten oder NOAA (je nach Region/Firmware).
Der grobe Ablauf:
- Firmware-Tool und passende Firmware von der offiziellen HD2-Seite laden
- Gerät mit gedrückter PTT und Sidekey 1 einschalten, um in den DFU-Mode zu kommen (LED rot, kein normaler Start)
- Programmierkabel anstöpseln, COM-Port auswählen
- „Connect“ und „Update“ starten und warten, bis das Tool „erfolgreich“ meldet
In der Praxis berichten manche Nutzer allerdings von Geräten, die nach einem vermeintlich erfolgreichen Update nicht mehr hochkommen – klassischer „Brick“. Das ist kein Massenphänomen, aber genug, um ernst genommen zu werden.
Best Practices, um das Risiko zu minimieren:
- Nur updaten, wenn der Changelog für dich wirklich relevant ist
- Original-Kabel, direkter USB-Port am Rechner, kein wackeliger Hub
- Energiesparfunktionen und USB-Suspension von Windows währenddessen deaktivieren
- Keine parallel laufenden Programme, die denselben COM-Port anfassen könnten
Erfahrungswerte der Community – Stärken und Schwächen
Schaut man durch Foren, Blogs und Videos, zeichnet sich ein relativ konsistentes Bild:
Was häufig gelobt wird:
- robuste Bauweise und IP67, fühlt sich „dienstlich“ an, nicht nach Spielzeug
- ordentliche Sendeleistung und brauchbare Empfindlichkeit auf VHF/UHF, analog wie DMR
- riesige Kontakt- und Kanal-Kapazität, auch für komplexe DMR-Setups mehr als ausreichend
- klar verbessertes Farbdisplay mit Tag-/Nachtmodus und besserer Ablesbarkeit
- Bluetooth, das im Alltag wirklich praktikabel funktioniert
- Komfortfunktionen wie Dual-VFO, Sub-PTT, Nachtmodus, USB-C-Laden, Promiscuous-Funktionen
Was oft kritisiert wird:
- Struktur und Bedienlogik von CPS und Menüführung sind nicht selbsterklärend, viele Dinge nur über Erfahrung oder Community-Erklärungen verständlich
- Region-/Bandlimit-Einstellungen greifen nicht immer sauber; in manchen Firmwareständen bleibt der nutzbare Bereich trotz Region-Umstellung eingeschränkt
- bei vollgepackten Kontaktlisten extrem langsame Programmierung
- spektrale Sauberkeit wird in manchen Community-Messungen kritisch gesehen (Oberwellen, Nebenaussendungen), auch wenn neuere Firmwarestände teilweise als Verbesserung wahrgenommen werden
- Risiko von „Bricks“ bei Firmware-Updates, wenn etwas im Ablauf schiefgeht
In Summe: Wer genau weiß, was er will, und bereit ist, sich einzuarbeiten, ist mit dem HD2 oft sehr zufrieden. Wer ein Plug-and-Play-Gerät erwartet, das sich wie ein klassisches FM-HT bedient, flucht schnell.
Bekannte Bugs, Stolperfallen und Workarounds
Ein paar typische Punkte, die man vorher wissen sollte:
- CPS-Optionen sind teilweise schlecht oder gar nicht dokumentiert – hier lebt man von Community-Wissen
- Regionswechsel und Bandgrenzen werden nicht immer zuverlässig übernommen, teils braucht es versteckte Menüs oder Service-Modi (die man rechtlich natürlich nur im erlaubten Rahmen nutzen darf)
- DMR-„APRS“ ist in der Praxis GPS-Datenübertragung über das DMR-Netz; ein integriertes klassisches 144,800-MHz-APRS-Modem ist nicht dokumentiert
- das Schreiben großer Kontaktlisten dauert sehr lange – gegebenenfalls Kontaktlisten filtern und nicht jede weltweite ID einspielen
- frühe Firmwarestände hatten teils Probleme bei Lesbarkeit (Schrift/Farbe) und DMR-SMS; neuere Firmware-Versionen verbessern das spürbar
- Firmware-Updates können im Fehlerfall das Gerät unbrauchbar machen – hier helfen nur saubere Vorbereitung und etwas Vorsicht
Fazit: Für wen lohnt sich das Ailunce HD2?
Das Ailunce HD2 ist nichts für Leute, die nur „einschalten, PTT drücken, fertig“ wollen. Es ist eher ein DMR-Werkzeugkasten im Handfunk-Format:
- technisch gut ausgestattet
- robust gebaut und outdoor-tauglich
- mit einer CPS, die viel kann, aber Eingewöhnung braucht
- mit genug Speichern und Features, um DMR richtig auszureizen
- mit klar sichtbaren Upgrades gegenüber dem HD1, vor allem beim Display und beim Kontaktspeicher
- preislich im Bereich eines ambitionierten, aber noch bezahlbaren DMR-Handfunks angesiedelt
Es lohnt sich besonders für Funkamateure, die:
- DMR intensiv nutzen (Relais, Hotspot, Talkgroups, GPS-Daten, Textnachrichten),
- ein robustes Handgerät mit IP67, Bluetooth und viel Speicher wollen,
- keine Angst vor Codeplug-Bastelei, CPS-Gefummel und gelegentlichen Firmware-Experimenten haben.
Wer hingegen ein super simples Erstgerät sucht oder empfindlich auf Frickelei reagiert, ist mit einem klassischeren FM- oder einfacheren DMR-Gerät besser bedient.
Kurz gesagt: Das Ailunce HD2 ist ein DMR-Handfunkgerät mit „BOS/Profi-Vibes“ und ordentlich Tiefgang – aber eben auch mit Lernkurve und ein paar Ecken. Für alle, die genau darauf Lust haben, ist es ziemlich spannend. Für alle anderen wirkt es schnell wie „zu viel Gerät für zu wenig Zeit“.

