PMR446, Freenet 149 und CB-Funk – drei Systeme, drei Realitäten
Jedermannfunk ist im Kern simpel: Du willst sprechen, ohne auf Mobilfunk, Apps oder Internet angewiesen zu sein. Du schaltest ein, drückst die Taste, fertig. In Deutschland sind dafür vor allem drei Funkdienste relevant: PMR446 im 446-MHz-Band, Freenet im 149-MHz-Band und CB-Funk im 11-Meter-Band um 27 MHz. Alle drei sind anmelde- und gebührenfrei nutzbar, aber sie unterscheiden sich so stark, dass „ist doch alles Walkie-Talkie“ im Alltag einfach nicht stimmt.
Der wichtigste Punkt ist nicht nur die Funkphysik, sondern der rechtliche Rahmen: die Allgemeinzuteilungen der Bundesnetzagentur. Diese Verfügungen legen fest, welche Frequenzen genutzt werden dürfen, welche Leistung erlaubt ist, welche Antennen zulässig sind, ob Repeater oder Netzanbindung erlaubt sind und wie man das Ganze betreibt, ohne aus Versehen außerhalb der Spielregeln zu landen.
PMR446 (446 MHz): der unkomplizierte Standard, bewusst auf Kurzstrecke begrenzt
PMR446 ist der Jedermannfunk, den fast jeder schon mal gesehen oder genutzt hat. Geräte bekommst du überall, die Bedienung ist leicht, und du musst nichts planen. Genau so ist es auch geregelt. In Deutschland ist PMR446 in der SRD-Allgemeinzuteilung der Bundesnetzagentur erfasst (Vfg. 91/2025, befristet bis 31.12.2035). Dort ist für PMR446 der Frequenzbereich 446,0 bis 446,2 MHz genannt und die maximale Sendeleistung liegt bei 500 mW ERP.
Die Verfügung beschreibt PMR446 als tragbare, manuell bediente Geräte im Peer-to-Peer-Betrieb. Der Betrieb als Basisstation oder Signalverstärker (Repeater) ist ausgeschlossen. Außerdem sind nur eingebaute Antennen vorgesehen. PMR446-Funkgeräte dürfen weder als Teil eines Infrastrukturnetzes noch als Repeater verwendet werden. Damit ist PMR ganz bewusst „kurz, mobil, unkompliziert“ – und nicht als „ich baue mir Reichweite“ gedacht.
In der Praxis bedeutet das: PMR446 ist ein Kurzstreckenwerkzeug. Mit freier Sicht kann es ordentlich laufen, im Wald, zwischen Häusern oder hinter Hügeln bricht es schnell ein. Der zweite Praxisfaktor ist die Belegung. Weil PMR so verbreitet ist, sind Kanäle in Städten, Ausflugsgebieten und überall dort, wo viele Menschen unterwegs sind, oft voll. Viele nutzen CTCSS oder DCS und glauben dann, sie hätten „ihren eigenen Kanal“. Das stimmt nicht. Diese Töne blenden nur fremde Signale aus, sie schaffen keinen zusätzlichen Platz im Band. Wenn es eng wird, stört man sich trotzdem gegenseitig, man merkt es nur manchmal später.
Freenet 149 MHz: weniger Trubel, aber mit sehr klaren Grenzen
Freenet ist im Vergleich zu PMR deutlich weniger Mainstream. Genau das ist im Alltag oft der größte Vorteil, weil weniger Nutzer häufiger freie Kanäle bedeuten. Die rechtliche Grundlage ist die Allgemeinzuteilung der Bundesnetzagentur Vfg. 45/2025 (korrigiert durch Mitt. 193/2025). Sie gilt ab 01.10.2025 und ist bis 30.09.2035 befristet. Der Frequenzbereich liegt bei 149,01875 bis 149,11875 MHz. Die Verfügung unterscheidet zwischen 12,5-kHz-Kanälen, die analog oder digital genutzt werden dürfen, und 6,25-kHz-Kanälen, die nur digital zulässig sind.
Was Freenet besonders prägt, ist das Regelwerk rund um die Betriebsart. Freenet ist ausdrücklich auf Handsprechfunkgeräte ausgelegt. Ortsfeste Funkstellen sind nicht zugelassen. Bei Antennen ist die Linie ebenfalls klar: Erlaubt sind fest verbaute Antennen oder Wechselantennen direkt am Gerät, solange der Charakter als tragbares Handgerät erhalten bleibt. „Sonstige externe Antennen“ (zum Beispiel per Koaxialkabel angeschlossen oder irgendwo montiert) sind nicht zulässig.
Beim Thema Infrastruktur ist Freenet sehr eindeutig. Der Betrieb ist nur Peer-to-Peer vorgesehen. Reichweitenverlängerung über Repeater oder Relais ist nicht zulässig. Ebenso dürfen die Geräte weder als Teil eines Infrastrukturnetzes (einschließlich Internetanbindung) noch als Repeater/Relais betrieben werden. Gatewaybetrieb und Signalkonvertierung in ein anderes Netz bzw. ins Internet sind ausdrücklich nicht gestattet. Dazu kommt eine klare Leitplanke gegen Kanalblockade: Daueraussendungen sind nicht erlaubt, und als Orientierung wird eine Grenze von 180 Sekunden genannt, ab der von einer Daueraussendung ausgegangen wird.
Bei der Leistung ist Freenet auf dem Papier stärker als PMR. Zulässig sind bis zu 1 W ERP, allerdings mit einer wichtigen Einschränkung: Im 10-km-Grenzabstand zu Belgien und Polen sind nur 0,5 W ERP erlaubt.
Im Ergebnis ist Freenet ein sauber reguliertes Kurzstreckensystem, das im Alltag oft ruhiger wirkt als PMR. Der Preis dafür ist, dass du kaum „bauen“ darfst. Wer gerne mit Antennen experimentiert oder sich Reichweite über Technik erschließen will, wird Freenet als eng erleben. Wer dagegen verlässlich funken will, ohne ständig in volle Kanäle zu laufen, kann Freenet richtig gut finden.
CB-Funk (27 MHz): die große Spielwiese mit Antennen, Szene und Sonderregeln fürs Internet
CB-Funk ist anders als PMR und Freenet. Hier geht es nicht nur um Handgeräte, sondern um Mobilbetrieb, Stationsbetrieb, Antennen und um ein Band, das sich je nach Bedingungen komplett unterschiedlich verhält. Die Grundlage ist die Allgemeinzuteilung der Bundesnetzagentur Vfg. 21/2021, befristet bis 31.12.2030. In dieser Verfügung ist der Kanalplan mit 80 Kanälen abgebildet, einschließlich des nationalen Erweiterungsbereichs 41 bis 80.
Für Sprache sind die erlaubten Betriebsarten und Leistungen klar definiert: F3E/G3E mit 4 W ERP auf Kanal 1 bis 80, A3E (AM) mit 4 W ERP auf Kanal 1 bis 40 und J3E (SSB) mit 12 W PEP auf Kanal 1 bis 40. Außerdem ist CB ausdrücklich privat und nicht kommerziell.
CB ist der Dienst, bei dem die Antenne das Spiel entscheidet. Mit einer kleinen Handfunke kann CB im Vergleich zu PMR oder Freenet oft enttäuschend wirken. Mit einer ordentlichen Mobilantenne auf dem Auto oder einer gut platzierten Stationsantenne zu Hause kann CB dagegen Reichweiten liefern, die bei den anderen beiden Systemen schlicht nicht drin sind. Dazu kommt der besondere Reiz des 11-Meter-Bands: Unter passenden Ausbreitungsbedingungen können Verbindungen weit über den Horizont möglich werden. Das ist nicht jeden Tag garantiert, aber es ist ein Teil des Charmes, der CB-Funk bis heute trägt.
CB bringt dafür auch mehr Regel- und Praxisdetails mit. In der Verfügung sind klassische No-Gos genannt, etwa rundfunkähnliche Aussendungen, Daueraussendungen oder Aussendungen ohne Nachrichteninhalt.
Ein Punkt, der häufig falsch erzählt wird, ist die Internetkopplung. Im CB-Funk ist die Zusammenschaltung mit anderen Netzen (zum Beispiel Internet) für digitale Daten ausdrücklich vorgesehen. Für Sprache ist es strenger: Sprach-Zusammenschaltung mit dem Internet bzw. Sprachübertragung über unbemannte automatisch arbeitende Anlagen ist nur auf bestimmten Kanälen zulässig, nämlich 11, 29, 34, 39, 40, 41, 61, 71 und 80.
Zusätzlich gibt es im Erweiterungsbereich 41 bis 80 Schutzzonen gegen Nachbarstaaten, in denen ortsfester Betrieb auf Grundlage der Allgemeinzuteilung nicht zulässig ist. Das betrifft nicht jeden, aber wer in Grenznähe wohnt oder eine feste Station plant, sollte das vorab prüfen.
Fazit: Welcher Jedermannfunk passt zu welchem Zweck?
PMR446 ist die beste Wahl, wenn du sofort loslegen willst und kurze bis mittlere Distanzen in Kauf nimmst. Es ist simpel, günstig und breit verfügbar, aber du teilst dir das Band mit vielen anderen, und die Regeln verhindern bewusst jede Art von Reichweiten-Aufrüstung.
Freenet ist interessant, wenn du in Deutschland funken willst und Wert auf ein ruhigeres Band legst. Es ist streng als Handfunk ohne Infrastruktur gedacht, und genau das macht es für viele angenehm, weil es weniger Wildwuchs zulässt. Wer aber Antennen oder Reichweitenlösungen liebt, wird sich dort eingeengt fühlen.
CB-Funk ist das System für Leute, die mehr wollen als nur „kurz quatschen“. Es ist die Spielwiese mit Antennen, Mobil- und Stationsbetrieb und einer Szene, die es so bei PMR und Freenet kaum gibt. Du bekommst dafür mehr Komplexität, mehr Störanfälligkeit im Alltag und mehr Regeln im Detail, aber eben auch die größten Möglichkeiten.
Quellen: BNetzA Vfg. 91/2025 (SRD/PMR446) · BNetzA Vfg. 45/2025 (Freenet 149) · BNetzA Vfg. 21/2021 (CB-Funk)
