World Wide Check-In (DMR/BrandMeister)
Talkgroup 91 im BrandMeister-Netz ist so etwas wie die belebte Hauptstraße des weltweiten DMR-Amateurfunks. Hier laufen rund um die Uhr QSOs aus allen Kontinenten – und einmal pro Woche wird das Ganze noch strukturierter: Beim World Wide Check-In, einem internationalen Treffpunkt, der an Samstagen viele BrandMeister-Stationen beschäftigt.
Im Folgenden schauen wir uns an, was Talkgroup 91 eigentlich ist, wie der World Wide Check-In entstanden ist, wann und wie du mitmachen kannst und worauf man bei der Betriebstechnik achten sollte.
Talkgroup 91 im BrandMeister-Netz
Im BrandMeister-Netz ist die Talkgroup 91 als „World-wide“ definiert und eine der aktivsten Talkgroups überhaupt.
TG 91 ist eine globale Talkgroup, per Definition nach für die Nutzung auf Zeitschlitz 1 (TS1). Sie ist dafür gedacht, Funkamateure weltweit miteinander zu verbinden – unabhängig davon, ob sie über ein Relais oder einen persönlichen Hotspot einsteigen. BrandMeister selbst weist explizit darauf hin, dass TG 91 sehr stark genutzt wird und man QSOs möglichst kurz halten und für längere Gespräche auf andere Talkgroups ausweichen sollte. Hauptsächlich wird in QSOs auf Talkgroup 91 Englisch gesprochen, regelmäßig aber auch Spanisch.
International gibt es Relais, auf denen TG 91 dauerhaft oder zeitweise auf TS1 geschaltet ist. In Deutschland sind viele Relais dagegen bewusst eher zurückhaltend konfiguriert: TG 91 ist dort häufig gar nicht oder nur sehr eingeschränkt vorgesehen. In diesem Fall kann TG 91 lediglich dynamisch auf das Relais (PTT) geschaltet werden und bleibt dann in der Regel 10 Minuten aktiv. Dieses Vorgehen schont die lokalen Relaisressourcen und verhindert, dass ein kompletter Zeitschlitz permanent durch den massiven Verkehr von TG 91 blockiert wird.
Entstehung und Idee des World Wide Check-In
Der World Wide Check-In (WWC) ist eine wöchentliche organisierte Runde auf TG 91, die seit Mitte der 2010er läuft. Laut offizieller Historie startete sie 2015, als mehrere kalifornische DMR-Relais auf das damals neue BrandMeister-Netz wechselten. Initiiert wurde das Ganze von Dick, K6SUU.
Die Grundidee war von Anfang an dreifach:
- zeigen, wie ein global verlinktes DMR-Netz unter hoher Auslastung funktioniert,
- Funkamateure weltweit regelmäßig zusammenbringen,
- und Einsteigern eine feste, planbare Gelegenheit geben, ihr DMR-Setup im echten Betrieb zu testen.
Inspiration war eine ältere weltweite Runde auf Talkgroup 1 im DMR-MARC-Netz. Mit BrandMeister und TG 91 bekam dieses Konzept eine moderne Wiederauflage – offen, weltweit und mit detaillierter Online-Dokumentation und Logs.
Wann und wo findet der World Wide Check-In statt?
Der World Wide Check-In läuft – Stand 2025 – jeden Samstag auf BrandMeister Talkgroup 91. Offiziell beginnt die Runde um 16:00 UTC.
Die Dauer ist nicht starr festgelegt, in der Praxis zieht sich der World Wide Check-In wegen der hohen Beteiligung oft über mehrere Stunden. Einzelne BrandMeister-Repeater im Ausland vermerken explizit, dass TG 91 am Samstag zwischen etwa 16:00 und 19:00 UTC für den World Wide Check-In vorgesehen ist und in dieser Zeit nicht von anderen Talkgroups verdrängt werden soll.
Wichtige Eckdaten:
- Talkgroup: 91 („World-wide“) auf BrandMeister
- Zeitschlitz: in der Regel TS1 (Standard für globale TGs im BrandMeister-Netz)
- Zeit: Samstag, Start 16:00 UTC (Stand 2025 – Änderungen sind möglich, ein Blick auf die offizielle Website lohnt sich)
Die jeweils aktuelle Planung und die verantwortlichen Operatoren findest du auf der offiziellen WWC-Website im Bereich „Schedule“.
Voraussetzungen: Was du für die Teilnahme brauchst
Um beim World Wide Check-In aktiv mitzumachen, brauchst du im Kern vier Dinge:
- Amateurfunklizenz – ohne gültige Lizenz keine Teilnahme im Amateurfunkdienst.
- DMR-fähiges Funkgerät – Handfunkgerät, Mobilgerät oder eine fest aufgebaute Station.
- DMR-Radio-ID – eine persönliche CCS7-ID, die du dir kostenlos über RadioID.net zu deinem Rufzeichen registrierst.
- Zugang zum BrandMeister-Netz – entweder über ein Relais, auf dem TG 91 verfügbar ist, oder über einen persönlichen Hotspot, der an einen BrandMeister-Master angebunden wird.
Im Codeplug deines Funkgerätes muss dann mindestens ein Kanal für TG 91 auf TS1 des entsprechenden Relais oder Hotspots existieren. Ob TG 91 über Relais erreichbar ist, hängt stark von der jeweiligen Region und von den Entscheidungen der Relaisbetreiber ab. Gerade in Deutschland sind Hotspots für den World Wide Check-In oft der praktikablere Weg, weil hier viele Relais bewusst lokale oder nationale Talkgroups priorisieren.
Ablauf eines typischen World Wide Check-In
Der Ablauf kann im Detail von Operator zu Operator leicht variieren, folgt aber im Grundschema immer demselben Muster:
- Eröffnung durch die Rundenleitung
Der verantwortliche Operator (vergleichbar mit „Net Control“ im klassischen Sinne) begrüßt alle Stationen, nennt Name, Rufzeichen und erklärt kurz Zweck und Regeln der Runde: zügige Check-ins, kurze Durchgänge, bitte keine langen Geschichten und Rücksicht auf die vielen wartenden Stationen. - Hinweise zur Betriebstechnik
Meist gibt es zu Beginn kurze Hinweise zu BrandMeister-typischen Dingen: keine Keyups ohne Sprache, Pausen zwischen den Durchgängen lassen, möglichst nicht gleichzeitig reden, TG 91 während der organisierten Runde nicht mutwillig verdrängen usw. - Regionale oder alphabetische Check-in-Runden
Um die Masse an Stationen zu sortieren, arbeitet die Rundenleitung typischerweise mit Blöcken – zum Beispiel nach Kontinenten, Rufzeichenbereichen oder Anfangsbuchstaben des Suffix:
„Stations from Germany, Austria, Switzerland, Liechtenstein, please come now…“
Jede Station nennt beim Check-in normalerweise Rufzeichen, Name und Standort (QTH). Manchmal wird auch das verwendete Setup (Handfunkgerät, Mobilgerät, Hotspot) kurz mit genannt. - Bestätigen und loggen
Die Rundenleitung bestätigt den Check-in, und das Logsystem schreibt die Stationen mit Zeitstempel, Rufzeichen und meist auch Land mit. Die Logs werden später auf der offiziellen Website bereitgestellt, sodass man im Nachhinein sehen kann, ob man erfasst wurde. - Kurze inhaltliche Runden
Je nach Zeit und Auslastung gibt es manchmal noch eine kurze Diskussionsrunde zu einem Thema – etwa DMR-Technik, neue Entwicklungen im BrandMeister-Netz oder allgemeine Amateurfunk-News. Der Schwerpunkt bleibt aber klar auf den Check-ins. - Abschluss
Gegen Ende bedankt sich die Rundenleitung beim Team, bei allen Stationen und weist darauf hin, dass TG 91 nun wieder für normalen Betrieb genutzt werden kann.
Durch die klare Struktur merkt man recht schnell, dass hier kein chaotischer Weltkanal läuft, sondern eine bewusst moderierte weltweite Runde auf DMR.
Organisation und Team im Hintergrund
Der sichtbare Teil des World Wide Check-In ist nur die Spitze des Eisbergs. Im Hintergrund steht ein kleines, internationales Team. Auf der offiziellen Seite sind unter anderem folgende Rollen dokumentiert:
- Gründer: K6SUU
- Planung & Skripte: unter anderem VA6PW
- Website, Log-Auswertung & Technik: M7NTE
- Unterstützung und Einarbeitung neuer Operatoren: weitere erfahrene Funkamateure
Wer die Runde leitet, wird häufig im Voraus geplant. Interessierte Funkamateure können sich sogar als zukünftige Rundenleiter melden; die Website beschreibt, wie man sich beim Team bewirbt und eingearbeitet wird.
Das Ganze ist bewusst community-basiert und nicht an einen einzelnen Verband gebunden. Die Runde lebt davon, dass Funkamateure weltweit mitziehen – als Teilnehmer, als Rundenleitung oder als Unterstützer bei Werbung und Infrastruktur.
Zuhören ohne eigenes DMR-Gerät: HOSE-Line und Streams
Wer (noch) kein eigenes DMR-Gerät hat, kann trotzdem zuhören: BrandMeister bietet einen Web-Stream („HOSE-Line“), mit dem man beliebige Talkgroups im Browser abhören kann – inklusive TG 91 während des World Wide Check-In.
Das ist besonders praktisch, wenn man:
- sich erst einmal einen Eindruck von der Struktur und vom Ablauf verschaffen möchte,
- prüfen will, ob der eigene Repeater/Hotspot sauber in TG 91 einspeist,
- oder einfach hören will, wie Funkamateure aus aller Welt klingen und welche Betriebstechnik sie nutzen.
Viele Stationen berichten, dass der World Wide Check-In ein super Training ist, um englische Rufzeichen mit unterschiedlichsten Akzenten zu verstehen.
Besonderheiten für Repeater und Relaisbetreiber
Für Repeater-Betreiber ist TG 91 ein sensibles Thema. Die BrandMeister-Wiki und verschiedene nationale Seiten betonen, dass TG 91 wegen des hohen Verkehrsvolumens bewusst eingesetzt werden sollte:
- TG 91 ist auf vielen Relais bewusst nicht dauerhaft geschaltet, um den Zeitschlitz für lokale und regionale Kommunikation frei zu halten.
- Gerade in Deutschland wird TG 91 auf Relais oft gar nicht angeboten oder nur zeitweise zur Verfügung gestellt – weltweite QSOs laufen dann primär über persönliche Hotspots.
- In einigen anderen Ländern wird TG 91 zum Zeitpunkt des World Wide Check-In gezielt aktiviert oder beibehalten, damit die Funkamateure dort problemlos teilnehmen können.
Damit wird sichergestellt, dass die lokale Infrastruktur nicht dauerhaft von globalem Verkehr überlagert wird und dass die Teilnahme am World Wide Check-In trotzdem möglich ist.
Bedeutung für Einsteiger und erfahrene Funkamateure
Der World Wide Check-In ist nicht nur ein großes digitales Spektakel, sondern auch praktisch:
- Für Einsteiger ist er ein idealer Test: Funktioniert der eigene Codeplug wirklich? Passt DMR-ID, Timeslot, Talkgroup, Color Code? Kommt die eigene Aussendung weltweit an?
- Für erfahrene Funkamateure ist es eine Gelegenheit, die globale DMR-Infrastruktur unter realer Belastung zu beobachten – inklusive Verzögerungen, leichten Aussetzern und der Frage, wie gut Relais, Master und Bridges mit gleichzeitiger Nutzung klarkommen.
Und ganz banal: Man trifft einfach viele neue Leute. Rufzeichen, die man sonst nie hören würde, tauchen hier plötzlich im Minutentakt auf – von Neuseeland über Südafrika bis Südamerika. Für viele ist genau das der Reiz des Samstag-Nachmittags auf TG 91.
Betriebstechnik: Wie man auf TG 91 im World Wide Check-In „gut rüberkommt“
Weil TG 91 so stark beansprucht wird, ist Betriebstechnik hier nicht nur „nice to have“, sondern entscheidend. BrandMeister empfiehlt für TG 91 im Allgemeinen und der World Wide Check-In setzt das praktisch um:
- Kurze Durchgänge: Rufzeichen, Name, Standort, maximal ein kurzer Satz – keine Lebensgeschichte beim Check-in.
- Pausen lassen: Nach jedem Durchgang kurz Luft lassen, damit andere Stationen einsteigen oder die Rundenleitung reagieren kann.
- Erst zuhören, dann PTT: Vor dem Senden kurz reinhören, ob gerade jemand bestätigt wird oder eine neue Gruppe aufgerufen ist.
- Nach dem Check-In die Talkgroup entlasten: Wer danach in Ruhe mit jemandem sprechen will, weicht auf eine alternative Talkgroup aus (zum Beispiel eine nationale oder regionale TG, TAC-Talkgroups oder Cluster-TGs).
So bleibt TG 91 während des World Wide Check-In für alle nutzbar und erfüllt genau den Zweck, für den sie gedacht ist: weltweit zeigen, was DMR leisten kann – mit sauberer Technik und guter Funkdisziplin.
Zertifikat: 10 Jahre World Wide Check-In (2025)

Logfiles, bei denen DN9MAX erfasst wurde
Logfiles der World Wide Check-Ins können hier auf der offiziellen Seite heruntergeladen werden. Dort sind die Logfiles seit dem Jahr 2017 online archiviert.

